Warum ich es gar nicht so doof finde, dass Sarah Kuttner Kinder doof findet

Mittwoch, 16. April 2014



Also ich sag jetzt doch etwas zu Sarah Kuttner. Eigentlich wollte ich das nicht, denn zum einen komme ich dafür ein paar Tage zu spät (peinlich, peinlich hier im Internet, aber Baby ist schuld), zum anderen will ich keine Werbung für ihre Sendung machen (habe sie nicht mal gesehen, Baby ist schuld). Frau Kuttner ist ja nicht dumm, ihr war sehr wohl bewusst, dass ihre Aussage, dass sie Kinder „irgendwie doof“ findet, für einen Sturm der Entrüstung sorgen würden. Das ist ähnlich wie mit Nazivergleichen. Auch wenn man es ganz anders gemeint hat, geht die Kiste immer nach hinten los, selbst wenn man als Student gegen Rechts auf die Straße gegangen ist. Daher: lassen.
Allerdings finde ich es gar nicht so schlimm, was Sarah Kuttner da von sich gegeben hat. Klar: Die Aussage, dass Kinder doof sind, ist ziemlich doof. Aber dass sie daraus für sich den Schluss gezogen hat, keine Kinder zu wollen, ist doch völlig in Ordnung. Ehrlich gesagt habe ich schon bei manch einem meiner Mitmenschen gedacht, dass es vielleicht besser gewesen wäre, sie hätten sich vor dem Kinderkriegen näher damit auseinandergesetzt, was das eigentlich bedeutet. Und: Ich selbst habe lange ganz ähnlich wie Frau Kuttner gedacht.
Bei Treffen des Freundeskreises hatte ich nie Lust, Babys auf dem Arm zu nehmen. Ich hatte eine Scheu davor und die Befürchtung, sie irgendwie kaputt zu machen. Zudem jauchzte ich stets vor Entzücken beim Anblick flauschiger Hundewelpen. Bei sabbernden Babys war das nicht der Fall. Aber dann lernte ich meinen heutigen Mann kennen, der in mir eine Hormonwelle lostrat. Ich sehnte mich plötzlich nach etwas Kleinem, etwas Beschützenswertem. Und auch wenn ich immer noch Scheu vor Babys hatte – bei tapsigen Kleinkindern schlug mein Herz sofort schneller. Ich träumte von uns als Familie und wurde schwanger.
Amateur-Mutti bin ich dennoch geblieben. In meiner Schwangerschaft fragte mich eine der Profi-Muttis: „Na, schon einen Bugaboo bestellt?“  Ich so: „Einen waaaas?“  
Dann erhielt ich noch eine SMS einer Freundin: „Du mit Kind? Das will ich sehen!“ Sie kam und sah und sagte: „Ehrlich. Das machst du richtig gut.“ Ha! Ich kann Kind! Wer hätte das gedacht? Dennoch: An dieser Stelle noch einmal Verständnis für Frau Kuttner: Ich finde manche Kinder nämlich auch manchmal doof. Ich finde eigentlich ganz oft ganz viele Menschen ziemlich doof. Und Frau Kuttner – die finde ich auch manchmal doof.

3 Kommentare

  1. Hallo,
    vielen Dank für den Post. Genauso denke ich auch und habe gestern die Frage bei Twitter gestellt, ob ich die Einzige sei, die es völlig ok findet, wenn Sarak Kuttner keine Kinder mag. Oder doof findet. Das darf sie, jeder darf das.
    Wobei es eine winzigpinzige Einschränkung gibt: Gruppen allgemein "doof" zu finden ist zwar polimisch und einfach zu verstehen, aber war selten gut. "Die Lehrer", "die Politiker", "die Schwarzen", etc. Sie findet Kinderhaben doof. Oder Kinder anstrengend. So interpretiere ich mal wohlwollend und so darf das jeder.
    Und es macht auch keinen schlechteren Menschen aus ihr. Finde ich.
    Dein Begriff Amateur-Mutter mag ich übrigens sehr, ich bin auch eine. :D
    Liebe Grüße, Mama notes

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  2. Herrlicher Text :) Ich habe mich immer ganz komisch gefühlt, wenn jemand mir, hochschwanger mit Greta ein Baby in den Arm gedrückt hat: "Da, kannst gleich mal ausprobieren!"
    "PANIK! Ich kann doch kein Kind halten", dachte ich. Gut, dass es beim eigenen einfacher ist :)
    Liebe Grüße, Ane (http://mamaleoni.blogspot.de/)

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  3. Ach meine Güte. Natürlich sind Kinder irgendwie doof. Sie machen aus durchzechten Nächten Babyschuckelzeit, der Abenteuerurlaub in Costa Rica weicht einem CenterParc in der Eifel und das Vorstadtreihenhaus ersetzt die Altbauwohnung über dem Irish Pub. Das IST irgendwie doof. Außer man ist selbst direkt betroffen, dann ist der CenterParc der Himmel auf Erden.

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