Kinder an die Macht? Bloß nicht!

Samstag, 16. August 2014



Piepsi und ich im Auto, Herbert Grönemeyer im Radio: "Kinder an die Macht." Und ich denke so: "Alles. Nur das nicht." Ernsthaft. Ich weiß ja, worauf Grönemeyer hinaus will. Unschuldig und frei von Vorurteilen und so. Aber mal ehrlich. Wie sähe wohl eine Welt aus, in der Piepsi das Sagen hätte? Wenn alle so ticken würden wie meine Kleene mit ihren knapp acht Monaten? Eins ist sicher: Diese Welt wäre um einiges lauter. Es wäre eine Welt ohne Geduld, dafür mit viel Geschrei. So sieht es nämlich aus, wenn Piepsi Hunger hat. Da gibt es kein "gleich, sofort, klar warte ich, bis Mutti das Wasser abgekocht hat". Da gibt es nur: JETZT! SOFORT! SONST SCHLAG ICH HIER ALLES KURZ UND KLEIN! Oder so ähnlich. Für meinen Alltag würde das bedeuten: Ich so bei der Post: Rabäääh! Ich so und die Deutsche Telekom: Rabäääh! Ich so in der Supermarktschlange: Rabäääh! Ich so und die Deutsche Bahn: Rabäääh!
Es gäbe auch kein Meins und Deins. In Piepsis Alter gibt es nämlich nur: MEINS! Teilen muss sie erst noch lernen, ein ganz normaler Entwicklungsschritt. Genauso wie die Sache mit der Geduld.
Nun ja, seien wir fair. Grönemeyer singt ja nicht "Babys an die Macht", sondern spricht von Kindern. Unschuldig, keine Vorurteile, kindliche Naivität. Moment Mal. Unschuldig?? Wer hier in seiner Kindheit nie grausame Experimente mit Ameisen und Regenwürmern unternommen hat, der werfe den ersten Stein! Achtung vor dem Leben - auch das muss gelernt werden. Und manche lernen es wohl nie. Im Übrigen: Befragt man Wikipedia, steht Unschuld für den Zustand eines unbefangenen oder unwissenden Menschen, der moralisch nicht als schuldig betrachtet oder juristisch für schuldunfähig erklärt werden kann. Unwissenheit als erstrebenswertes Ziel? Ich halte es da doch eher mit der Aufklärung.
Und zu den Vorurteilen... das ist dann wohl auch erst einmal eine Frage des Elternhauses. "Mein Papa sagt, die Araber, die schaffen nix." Schon mal gehört? Leider traurige Realität in Deutschland. Da muss Kind erst einmal viel heimischen Ballast loswerden, ehe es sich selbst ein Urteil bilden kann. Selbstreflexion heißt das. Lernen manche in der Pubertät und manche nie. Also bitte kein "Gebt den Kindern das Kommando". Und Trotzköpfchen haben wir doch schon genug in der Politik.

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