Hilfe! Ich mutiere zur Contest-Mutti!

Freitag, 12. Dezember 2014

Damals, als ich noch kein Kind hatte, habe ich einmal gesagt, dass ich Muttis ziemlich ätzend finde - eine Aussage, die mir heute öfters mal vorgehalten wird. Dabei habe ich damals eine ganz besondere Spezies Muttis gemeint, die mich nach wie vor nervt: die Contest-Muttis. Die "Mein-Kind-kann-schon"-Muttis. Das Problem ist nur: Ich habe gerade die Sorge, selbst so eine Mutti zu werden. Dabei will ich das doch gar nicht! Aber letztens traf ich eine Mutti aus dem Rückbildungskurs: "Na, was treibst du so?", fragte sie mich. Und ich so: "Komme gerade vom Schuhekaufen. Piepsi läuft seit zwei Wochen, verdammt, was sind die Dinger teuer. Und halten tun sie gerade mal ein paar Wochen, wurde mir gesagt." Und dann die andere Mutti: "Oh. Naja. So weit ist es bei uns wohl noch lange nicht." Bämm, da war es! Ich, die Contest-Mutti! Mein Kind läuft schon. Und weil mir das in diesem Moment auch bewusst ist, relativiere ich sofort alles. "Jaaa, dafür sind die Nächte aber immer noch echt nervig, an ein Durchschlafen nicht zu denken." Oder: "Aber hey, Kinderwagenfahren geht dafür gar nicht mehr, sie kann einfach nicht still sitzen." Oder aber, wenn mich die Mutti noch nicht kennt und nur mein grinsend vor sich hinwatschelndes Kind sieht: "Aber hey, sie war die ersten Wochen ein richtig hartes Schreibaby." Sprich: Ich sage einfach irgendwas, um nicht in den Verdacht zu geraten, mein Kind für das geilste Kind im Universum zu halten. Dabei ist es natürlich das geilste Kind im Universum. Ist ja schließlich meins. Und niedlich ist es auch noch! Aber ihr wisst, was ich meine. Ich denke nicht, dass ich Piepsi verkläre. Ich liebe sie aber einfach, also finde ich sie natürlich großartig. Aber angeben will ich nicht mit meinem Baby. Aber mein eigenes Kind schlecht machen, will ich eigentlich auch nicht. Puh, gar nicht so leicht. Der Trost: Bald ist die Zeit dieser großen Meilensteine erst einmal vorbei. Dann werden nicht mehr Zähne gezählt, dann geht es nicht mehr darum, ob das Kind schon krabbeln oder laufen kann und ob es schon "Mama" und "Papa" sagt. Bald sind Piepsi und ihre Altersgenossen so alt, dass sie das alles drauf haben. Und dann können wir uns endlich wieder auf das konzentieren, worum es wirklich geht: auf Duplo!

4 Kommentare

  1. Großartiger Beitrag, du sprichst mir aus der Seele ... Ich war selbst ganz erschrocken, als ich die Wortkette "Ist das eigentlich normal, dass mein Kind so früh schon xy kann?" aus meinem Mund hörte. Aber so ganz kann man den Mama-Stolz ja doch nicht abschalten ;)

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    1. Nee, kann man leider nicht. Bald werde ich aber wahrscheinlich wieder von Mama-Stolz auf Mama-Scham umschalten. Meine Tochter entdeckt nämlich gerade etwas ganz Furchtbares: ihren eigenen Willen...

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  2. Das schlimme ...das vergleichen hört nie auf, egal wie alt die Kinder sind

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  3. Ich finde es gibt ein unterschied zwischen "einfach stolz sein" und "ich vergleiche mein Kind".
    Jedes kind ist toll und wenn das eigene Kind grade etwas tolles neues gelernt hat, dann ist es doch klar das man es auch bei Freunde und bekannten erzählt.
    Aber es gibt auch Eltern, da merkt man das eigentlich nicht der stolz aus ihnen spricht, sondern sich einfach nur mit den neuen gelerntes des Kindes besser darstellen möchte als andere.
    Daher seit stolz was eure Kinder können, so lange es aus dem Herzen kommt und nicht aus Hochmut!

    LG Nicky

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