Mama arbeita

Donnerstag, 30. April 2015

Foto: Pixabay
Während Piepsi optisch eher nach meinem Mann kommt, scheint sie sonst einiges von mir zu haben. Sie ist nämlich eine ziemliche Quasseltante. Sie labert und singt eigentlich den ganzen Tag, wobei ich nur etwa 5 Prozent ihres Verbalausstoßes auch inhaltlich zuordnen kann. Nun hat sie sogar schon ihren ersten Zwei-Wort-Satz von sich gegeben: "Mama arbaita." Aua.
Wenn Piepsi morgens mit meinem Mann frühstückt, bin ich nämlich meistens schon außer Haus. Dann zeigt sie auf meinen leeren Platz und fragt: "Mama?" Mein Mann erklärt dann immer, dass Mama arbeitet, und mittlerweile ist das Erste, was Piepsi in der Krippe zur allgemeinen Begrüßung von sich gibt, ein "Mama arbeita." Gottseidank tut sie das nicht traurig, sondern in einem munteren halbstündlichen Plappermonolog mit der Quintessenz, dass ich im Büro bin und sie deshalb in der Krippe ist. Offenbar ist sie stolz darauf, die Lage voll gecheckt zu haben.
Nun habe ich dieses Wochenende etwas ganz Außergewöhnliches vor: mein erstes Wochenende ohne Kind. Nach 16 Monaten freue ich mich darauf, meine Freunde zu treffen und eine Nacht lang durchschlafen zu können (wobei ich nicht denke, dass ich sehr viel Schlaf bekommen werde). Bei aller Freude bin ich aber auch etwas nervös. Nicht, weil ich es meinem Mann nicht zutraue, zwei Tage alleine mit der Kleinen zu sein, sondern weil ich mich frage, wie sehr mich meine Tochter vermissen wird. Wenn ich nicht da bin, heißt es - egal, was ich auch gerade treibe - "Mama arbeita." Aber kann man das seinem Kind ein ganzes Wochenende lang erzählen? Zumal ich am Sonntag erst nach ihrer Bettgehzeit heimkehren und am Montag vor ihrer Aufstehzeit wieder arbeiten werde? Überhaupt: Ist es nicht erstaunlich, wie häufig man seinem Kind etwas vorgaukelt? Egal, eine Auszeit ohne Kind muss einfach mal drin sein. Vielleicht läuft ja auch alles wunderbar und Piepsi gibt sich weiterhin völlig zufrieden mit der Erklärung "Mama arbeita." Nicht, dass sie allzubald schnallt, was da wirklich läuft und es dann heißt: "Mama saufa."

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