Puppu und die Mörderpuppe

Samstag, 11. April 2015

Als ich ein Kind war, hatten Puppen bei mir einen schweren Stand. Alles Mädchenhafte war mir zuwider, ich hasste Rosa und Glitzer, immerhin war ich Musketier, Abenteurerin, Entdeckerin. Als ich dann doch einmal eine Puppe von meiner Oma geschenkt bekam, nutzte ich diese für medizinische Experimente. Ich hebelte ihre Augen aus (grauer Star!), schlitzte ihr den Bauch auf, um zu sehen, was sich unter dem Stoff verbirgt (Watte!) und malte sie mit einem grünen Filzstift an (Typhus!). Als mich im Gymnasiastenalter einmal zwei Freundinnen besuchten und ich etwas aus dem Schrank holen wollte, fiel dabei diese Puppe heraus, woraufhin meine Freundinnen kreischend aus dem Zimmer flohen. Ich besaß Chucky, die Mörderpuppe.
Aber ich hatte noch eine andere Puppe, die mir meine Mutter gekauft hatte und die mich ebenfalls wenig interessierte. Eine Käthe-Kruse-Puppe, etwas anderes, kein Plastik, sondern guter Stoff. Ein kostbares Etwas, das meine Mutter schließlich vor mir in Sicherheit brachte, was allerdings nicht ganz gelang, wie man anhand ein paar verkokelter Haarspitzen erkennen kann.
Nun ist Piepsi in dem Alter, in dem sie vor der schwierigen Frage steht: Puppe oder Teddy? Und was soll ich sagen: Piepsi liebt meine alte Käthe-Kruse-Puppe. Gleich nach dem Aufstehen lautet ihre erste Frage: "Puppu?" Sie ist eine prima Puppenmama, sehr besorgt um das Wohl ihrer Puppu, die nun auch beim Essen immer mit am Tisch sitzen muss. Wir versuchen bereits, diese Zuneigung zu unseren Gunsten zu missbrauchen ("Puppu ist ganz müde, die muss jetzt schlafen gehen...). Klappt so mäßig.
Eine Sorge habe ich jedoch bei all dieser Puppu-Liebe: Puppu ist nämlich unersetzbar. Während unsere Kuscheltiere zum einen zeitgenössische Modelle sind, die sich leicht nachkaufen lassen, zum anderen es im Internet zig Homepages für verloren gegangene und vermisste Stofftiere gibt, dürfte es so ziemlich unmöglich sein, eine Käthe-Kruse-Puppe aufzutreiben, der man doch sehr die frühen 80er Jahre ansieht. Allein, was die damals für Frisuren hatten...

3 Kommentare

  1. Es gibt heute viele Frauen, die Puppen herstellen. Man findet sie auf Dawanda und Co. Vielleicht kannst du ein Bild machen, solange Puppu noch ganz ist und bei Bedarf als Vorlage für eine neue Puppu nehmen. Schönen Sonntag :-)

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    1. Guter Tipp! Wie du siehst, habe ich Puppu ja bereits fotografiert. Ich werde mich bei Dawanda mal umsehen :)

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  2. großartig. ich habe die gleiche puppe und damals heiß und innig geliebt, dementsprechend sieht sie auch aus. jetzt möchte ich sie wieder auf vordermann bringen, für mein kind, dass im ausgust geboren wird. ich hoffe ich finde noch eine passende perücke, den die haare sind sehr spärlich. ich wünsche deiner tochter noch viel spaß mit ihrer wunderschönen puppe.

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