Kinder mit Temperament

Mittwoch, 17. Juni 2015

Hurra, Piepsi ist 1,5 Jahre alt! Und startet mit Anlauf in die Trotzphase. Das ist wundervoll, großartig, ganz wichtig für die Entwicklung! Sagen die Erzieher. Ich sage: puh.
Es ist erstaunlich, wie sehr sich Kinder in diesem Alter schon in ihrem Temperament unterscheiden. Waren im ersten Babyjahr alle noch irgendwie - naja - Babys eben, kann man jetzt schon kleine Charakterstudien betreiben. Da sind diese schüchternen, etwas ängstlichen und sehr verschmusten Kinder, die gerne lange Spaziergänge im Kinderwagen unternehmen, mit großen Augen in die Welt schauen und dabei verträumt an einem Butterkeks lutschen. SO hatte ich mir eigentlich immer mein Kind vorgestellt. Allerdings ist mein Kind SO: Nach neun Stunden Schlaf springt sie morgens um 5 um unser Bett herum, zerrt an unserer Bettdecke, nimmt schließlich unsere Kleidung, die auf einem Stuhl liegt, wirft sie vor unser Bett, zeigt mit kleinem Finger darauf und quietscht: "Auf!" Nach acht Stunden Büro hole ich sie schließlich von der Krippe ab (unter Protest, da sie gerade so schön im Sandkasten buddelte), gehe mit ihr zum Kinderturnen, wo sie erst einmal eine halbe Stunde im Akkord rutscht, dann fünfzehn Minuten auf dem Trampolin hopst und dabei vergnügt "Hupf, hupf, hupf!" schreit und schließlich, während andere Mütter mit ihren Kindern schon Äpfelchen kauen, kuscheln und die Schuhe wieder anziehen, es für eine gute Idee hält, sämtliche Bälle aus dem Bällebad zu schleudern und wieder einzusortieren. "Duhuuu, wollen wir nicht mal langsam nach Hause gehen?" Große blaue Augen sehen mich erstaunt an. Wie? Jetzt schon? Daheim angekommen, rennt Piepsi dann erst einmal zur Stereoanlage: "An!" Es folgt 357 Mal in Folge das Lied "Unser kleiner Bär im Zoo" (jedes andere ist derzeit inakzeptabel), zu dem entsprechend gehüpft (hupf! hupf!), gestampft und getanzt werden muss. Wobei ich mich irgendwann zwischen dem 231. und dem 242. Mal davongeschlichen habe, um Abendbrot zu machen. Als meine Tochter bemerkt, dass ich mich vom Acker gemacht habe, kommt sie schließlich mit Schuhen und Jacke in der Hand in die Küche. Spielplatz-Zeit! Ja, von wegen!
Also, keine Ahnung, woher meine Tochter diese Energie hat - von mir jedenfalls nicht. Ich bin eher der müde Typ. Eigentlich bin ich immer müde. Und wie ist es, so ein aufgewecktes und temperamentvolles Kind zu haben? Wundervoll, großartig, tolle Entwicklung. Und sauanstrengend. Zumal sich das Temperament ja auch in anderen Situationen zeigt. Wenn ich irgendwann doch einmal beschließe, dass es jetzt gut ist mit dem kleinen Bären im Zoo. Oder wenn ein anderes Kind auch einmal auf die Rutsche will. Wenn ich nicht gewillt bin, fünf verschiedene Brotaufstriche zu servieren. Oder ich beschließe, dass das Badewannenwasser jetzt wirklich einmal kalt ist. Dann weiß sich meine Tochter lautstark bemerkbar zu machen. Ich habe höchsten Respekt vor dem, was sich da Autonomiephase nennt. Besser gesagt: Ich habe Schiss. Es ist mir peinlich, wenn sie im Supermarkt anfängt zu weinen, weil sie die Bananen nicht direkt aus dem Einkaufswagen herausfischen und verputzen darf. Oder wie eine Bekannte es einmal ausdrückte: "Ab jetzt muss man erziehen. Und das ist doof." Immerhin habe ich es geschafft, beim Kampf um einen Brotaufstrich sie zu einem "Bitte" und "Danke" zu bewegen. Und es ist so einfach unglaublich niedlich, wenn sie mit ihrem kleinen Finger auf den Käse zeigt und "Biiiiiiiedäääää" sagt. Manchmal sagt sie statt "Biiiiedäää" auch "Pipi". Aber das lass ich mal gelten.

3 Kommentare

  1. Oh ja das haben wir auch schon zweimal durch und nun kommt mit unserer jüngsten schon Runde drei.😊 Nicht verzweifeln.

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  2. Zumindest können wir nicht über Langeweile klagen;)

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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