Das S-Wort

Donnerstag, 27. August 2015

Mittlerweile plappert Piepsi munter wie ein Wasserfall. Was schön ist und manchmal etwas nervig. Zum Beispiel, wenn ich sie abends ins Bett bringen will und sie mir noch einmal haarklein berichtet, wer nun alles in der Krippe geschaukelt hat und wer dabei angeschubst hat und wer dann alles nach Hause gefahren ist und wer so alles Pipi und A-a gemacht hat. Das Wort hat sie übrigens nicht von mir. Dafür ein anderes.
Es kam, wie es kommen musste. Dass ausgerechnet meine Eltern Zeugen dieses Vorfalls werden mussten - nun gut. Meine Eltern, Piepsi und ich - alle im Auto Richtung stadtauswärts. Doch plötzlich: Straßensperrung. Und: keine Wendemöglichkeit. Und ich so: "Scheiße." Und Piepsi so: "Seisse!" Und meine Eltern so: kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein. Woraufhin meine kleine Tochter das Wort natürlich gleich noch mal ausprobiert.
Ich habe ja schon einmal geschrieben, dass ich leiderleider sehr viel fluche und kein guter Umgang für Kinder bin. Ich weiß auch, dass Piepsi als Krippen-und-bald-Kindergartenkind Schimpfwörter ohnehin bald lernen wird. Und trotzdem hat es mich irgendwie getroffen, dieses Wort aus ihrem kleinen Mund zu hören. Weil es irgendwie aus einer anderen Welt stammt. Es ist einfach verflucht niiiiedlich, wenn sie "Hase", "Foffel" (Löffel) oder "Brot esse" sagt. Und so verflucht verflucht, wenn sie "Seisse" sagt. Zum Glück lernt mein kleines Mädchen gerade neben den "bösen" Wörtern noch etwas anderes: Schamgefühl. Als sie letztens noch einmal das S-Wort rausposaunte und ich ihr daraufhin deutlich sagte, dass das kein so richtig schönes Wort ist, vergrub sie ihr Gesicht in den Händen, drehte sich ein wenig zur Seite und grinste verschämt. Sie genierte sich. Und das war wieder: niedlich. Verflucht niedlich sogar.

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