Gegen Kernkraft und für Hebammen: Heute wird demonstriert

Ich gehe heute demonstrieren. Das habe ich ziemlich lange nicht mehr gemacht. Genau genommen seit meinem Studium. Dabei war ich schon als Kind politisch aktiv und habe mich in der fünften Klasse vor meinen coolen Mitschülern lächerlich gemacht, als ich Unterschriften gegen Kernkraft sammelte. Ich war großer Gudrun-Pausewang-Fan und ja, ich gebe es zu, ich fand "Die Wolke" und "Die letzten Kinder von Schewenborn" auch irgendwie schön schaurig. Jedenfalls schickte ich zig Briefe an alle möglichen Politiker und erhielt von allen dieselben Standardschreiben samt der Broschüre "Die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke - warum Tschernobyl bei uns nicht passiert wäre". So oder so ähnlich lautete der Titel. Das Heft müsste noch bei meinen Eltern herumliegen, ich sollte mal danach suchen. Hat ja fast schon historischen Wert. Hätten die doch damals mal auf mich gehört. Ich weiß nämlich noch genau, dass ich vorschlug, die gefährlichen Atomkraftwerke abzuschalten und lieber Energie aus Wind, Sonne und Wasser zu nutzen. Und was machen sie jetzt? Genau.
Heute demonstriere ich für die Rechte der Hebammen.
Warum?
Weil ich in der Schreibabyzeit ohne meine Hebamme wohl durchgeknallt wäre.
Weil meine Hebamme zwar nur eine halbe Stunde anschreiben kann, häufig jedoch zwei Stunden bei mir geblieben ist.
Weil meine Hebamme auch samstags mit dem Fahrrad vorbeifuhr, um Globuli in unseren Briefkasten zu werfen.
Weil meine Hebamme Tag und Nacht SMS beantwortet.
Weil meiner Hebamme das Wohl meiner Tochter wirklich am Herzen liegt.

Also, ihr Muttis und Schwangeren: Macht euch mal schlau, wann in eurer Stadt für ein anständiges Versicherungsangebot demonstriert wird. Und geht hin.

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Kommentare

  1. So, Töchterlein hat die erste Demo gut überstanden und weitestgehend verschlafen. Sehr hübsch: Als Journalistin bin ich es von Demonstrationen gewohnt, dass man die Veranstalter und anschließend noch einmal die Ordnungshüter nach einer Teilnehmerzahl fragt. Meistens liegt die letztere dann deutlich unter der erstgenannten. Nicht so bei den Hebammen: "Wir schätzen, dass so um die 200 gekommen sind." Und die Polizei sagt lachend: "Ne, das sind doch mindestens 350."

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