Mutter und Heldin und Kinderwurst gratis



Ich bin Mutter und eine gottverdammte Heldin! Autos halten für mich auch ohne Zebrastreifen, an der Supermarktkasse werde ich nach vorne gelassen, jede Tür wird mir aufgehalten, und ein wildfremder Mann klopft mir auf dem Wochenmarkt auf die Schulter: „Was Sie geschaffen haben, schaffen heute die wenigsten.“ Jawohl, seht her: Ich habe Leben gezeugt, streut Blumen auf meinen Wegen, verleiht mir einen Orden! Naja, letzteres lassen wir wohl mal lieber. Ich meine.. Klar, ich habe ein Baby bekommen, krasse Sache. Verdammt anstrengend, teuer, super Leistung und so. Aber ehrlich gesagt habe ich mich auch vor der Geburt eines Kindes als vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft betrachtet. Zu meinen damaligen Leistungen hat mir allerdings nie jemand gratuliert. „Mensch, Mutter Rabe. Den Magister in Romanischer Philologie gemacht. Beide Daumen hoch!“ . „Eine Festanstellung als Redakteurin! Bei einem Printprodukt, und das in diesen Zeiten! Wahnsinn!“. Oder: „Mutter Rabe, auch heute wieder aus dem Bett aufgestanden, Reschpekt!“
Nein, in Zeiten des demografischen Wandels wird einem dafür gedankt, dass man ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte. Das hat auch ein guter Freund festgestellt, der mit mir und Maus mittags in der hiesigen Fressgasse essen war und plötzlich an der Wursttheke als vermeintlich junger Vater besonders zuvorkommend behandelt wurde. „So freundlich waren die hier noch nie, fehlte nur noch die Scheibe Kinderwurst.“ Aber dafür ist die Maus noch zu klein.
Vielleicht sollte ich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln, ich muss nämlich unbedingt Geld verdienen. Babyvermietung für Kinderlose, die auch mal in den Genuss des allgemeinen Gefeiertwerdens kommen wollen. Und ich hätte dann endlich mal eine Stunde Ruhe von meinem Heldentum. Win-win, könnte man meinen.

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