"Na, wie war die Nacht?"



Treffen sich zwei Mütter. Sagt die eine: „Na, wie war die Nacht?“ Sagt die andere: „Um elf, um drei, und um fünf war dann Schluss.“
Nie hätte ich gedacht, dass ein „Na, wie war die Nacht?“ ein „Hallo, wie geht’s?“ ersetzen würde. Aber dem ist so, und es ist auch tatsächlich die intelligentere Frage. Meine Antwort wäre heute übrigens gewesen: „Um acht, um eins, um vier, und um halb sechs war dann Schluss.“ So oft wollte das anstrengendste (und niedlichste!) Baby der Welt in der vergangenen Nacht trinken.  Die andere Mutti würde daraufhin wissend nicken und so etwas wie „Na, war ja auch schon mal schlimmer.“ sagen. 
Noch vor vier Monaten, in der Welt, in der nur ich war, wäre mir nicht im Traum eingefallen, meine Mitmenschen nach ihrer Nacht zu fragen. Meine Kollegen hätten es womöglich anzüglich gefunden, wenn ich sie morgens mit einem „Na, wie war die Nacht?“ begrüßt hätte. Unter uns Muttis ist das anders, „Wie war die Nacht?“ ist quasi die alles entscheidende Frage, die einzig sinnvolle an einem Morgen, an dem man sich zur ersten Kinderwagenschieberunde trifft. Die Nacht entscheidet über die Laune der Mutti  - und des Babys, was sich wiederum direkt auf die Muttilaune auswirkt. Tatsächlich habe ich in den vergangenen Wochen eine neue Kategorie Müdigkeit kennengelernt. Eine „Ich sehe alles verschwommen“-Müdigkeit. Eine „Ich fühle mich betrunken, obwohl ich keinen Alkohol getrunken habe“-Müdigkeit. Eine „Ich sollte jetzt echt nicht Auto fahren“-Müdigkeit. Natürlich fährt man dann doch Auto, muss man ja, irgendwas is ja immer. Und wenn man schon nicht selbst in den Schlaf findet – wenigstens die Kleinen dösen im Wagen ja fast immer weg. Und dann hat man zumindest etwas Ruhe. Und Ruhe ist auch schon mal gut.

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