Die Kaffeekatastrophe: Irgendwie kriegen wir das hin



So, das war’s. Ich steige aus dieser ganzen Mutti-Nummer aus. Ich baue meiner Tochter einen fensterlosen, ausgepolsterten Raum, sperre sie darin ein und lasse sie erst wieder heraus, wenn sie 18 ist. Diese Welt ist einfach zu gefährlich für ein Baby. Was ist geschehen?
Frühstück. Piepsi auf Papas Schoß. Papa trinkt Kaffee. Piepsi ist neugierig, reckt das Händchen, haut volle Wumme gegen die Tasse. Kaffee auf Piepsi. Große Hektik, schnell runter mit den Klamotten vom Babykörper. Zu sehen: nichts. Keine Verbrennungen, nicht mal eine Rötung. Piepsi quietscht vergnügt. Amateur-Mutti am Boden.
Ich hätte es wissen müssen. Ich habe einfach nicht die Nerven für ein Kind. Es ist nämlich so: Wenn es irgendwo auf dieser Welt ein Zentrum gibt, in dem die coolen, entspannten und gelassenen Menschen leben, so wohne ich auf genau der gegenüberliegenden Seite der Erdhalbkugel. Dabei bin ich bislang abgesehen von den Dreimonatskoliken und der Kaffee-Fastkatastrophe verschont geblieben. Es gab noch keinen Schnupfen, noch keine Bindehautentzündung, keine Babyakne, Milchschorf oder sonstige Hautirritationen. Der Kopf ist wohlgeformt, unser Piepsi ist topfit, ein echtes Tier und gedeiht prächtig, wie man so schön sagt. Dennoch habe ich Riesenrespekt vor dieser ganzen Kindersache und habe mir lange überlegt, ob ich überhaupt ein Kind haben möchte. Denn dass meine Tochter tatsächlich so gesund ist, dass da „alles dran“ ist, erstaunt mich immer noch und immer wieder.
Es hat für mich auch nichts mit mangelndem Optimismus zu tun, dass ich mich im Vorfeld  oft gefragt habe, ob ich denn ein Leben mit einem behinderten Kind hinkriegen würde. In meinem Stamm-Schwimmbad sah ich öfters ein Paar um die 60, das seine Tochter in einem Rollstuhl in die Halle schob. Die Tochter – ich schätze sie auf Mitte 30 – konnte sich nicht klar artikulieren, schien aber eine Riesenfreude an den Schwimmbadbesuchen zu haben. „Kriegen wir das auch so hin?“, habe ich meinen Mann gefragt. Und er hat mir immer wieder versichert: „Ja. Auch das kriegen wir hin.“ Was soll man denn auch sonst in so einer Situation tun, außer es „hinzukriegen“? Weglaufen gibt es nicht. Also hätten wir es hingekriegt und werden es auch hinkriegen, wenn uns noch ein Schicksalsschlag treffen sollte.
Was mich selbst verblüfft hat: Als ich dann schwanger war, gab es für mich all diese Überlegungen plötzlich nicht mehr. Ich habe mich gegen Pränataldiagnostik entschieden. Denn irgendwie war ich in diesen neun Monaten so entspannt und ruhig wie ich es sehr selten bin. Hormone sind schon eine tolle Sache. Schade, dass dieser Rausch abgeebbt ist und sich die Angstwuschigkeit wieder breit macht. Aber gut. Irgendwie kriegen wir das schon hin.  

Kommentare

  1. ;-) Ja, irgendwie kriegt man es hin! Wir sind zum Glück recht entspannt, aber es gibt ja immer diese Phasen... die einen auch mal in den Wahnsinn treiben können. Und tatsächlich haben wir es auch mit krankem Kind hinbekommen, solange sie bei uns war. man wächst an seinen Aufgaben, das ist sicher!
    Liebe Grüße, Sonja

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  2. Ja, ich denke auch, dass man an seinen Aufgaben wächst. Irgendwie komme ich derzeit ja auch wunderbar mit vier Stunden Schlaf pro Nacht aus. Irgendwie geht das einfach. Dabei habe ich als Studentin kaum die Vorlesungen um 9 Uhr morgens geschafft... Diese Superkraft, die man da auf einmal entwickelt, nennt sich wohl Mutterliebe....

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