Hartes Schicksal für Piepsi: Es bleibt Einzelkind

Achtung, es folgt eine Rechtfertigung! Unsere Tochter wird ein Einzelkind bleiben. Das stand für uns schon fest, ehe wir wussten, dass sie ein recht forderndes Baby sein würde. Mein Kinderarzt hat uns zwar während der anfänglichen Schreibaby-Phase gesagt, dass wir unbedingt schnell ein zweites Kind nachschieben sollten: "Damit Sie sehen, wie die Babyzeit eigentlich wirklich ist." Aber nein, wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, nur ein Kind zu bekommen. Aus rein egoistischen Gründen. Wenn man nur ein Kind hat, dann ist das manchmal auch nicht da. Sportverein, bei Freunden, im Kindergarten, whatever. Und plötzlich ist man wieder einfach nur Paar und es ist ruhig. Bei zwei Kindern und mehr gäbe es hingegen immer etwas zu organisieren, zu planen, einer ist immer krank, einer muss immer irgendwohin gebracht oder von irgendwo abgeholt werden. So zumindest meine Vorstellung. So zumindest habe ich es bei anderen Eltern erlebt. 
Und ja, natürlich haben auch finanzielle Gründe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Es ist wirklich schon nicht ganz leicht, mit nur einem Kind berufstätig zu bleiben, wie ich feststellen muss. Wie es mit zwei Kindern gehen soll, ist mir ein Rätsel. Zumindest in meinem Beruf. Bei meinen Eltern - beide Lehrer - war das alles etwas einfacher. Letztlich sollte es doch auch egal sein, aus welchen Gründen man sich für das Modell Kleinfamilie entschieden hat. Ist es aber nicht. 
Denn sobald ich offen damit umgehe, bewusst nur ein Kind haben zu wollen, muss ich mir mehr oder minder deutliche Vorwürfe anhören. Der deutlichste klang so: "Das kannst du deinem Kind nicht antun!" Etwas weniger deutlich: "Du musst auch einmal daran denken, welche Vorteile Geschwister im Erwachsenenalter haben. Also wenn es darum geht, wer dich pflegt und so." Hm. Und dann die volle Palette Vorurteile. Einzelkinder sind verwöhnt, unsozial, können sich schlecht integrieren, haben niemanden zum Spielen, bla und blubb. Ist das so? Ich schlage mit Vorurteilen zurück: Kinder aus Großfamilien leiden an Futterneid, zackbumm. Ist Quatsch. Und Piepsi unsozial und verwöhnt? Naja, das müssen wir sehen - aber das liegt dann wohl auch an unserer Erziehung.
Immerhin kommt unsere Tochter mit zehn Monaten in die Krippe. Sozialkontakte dürfte sie dort genug haben.  Und "Lob des Einzelkinds" von Brigitte Blöchinger habe ich zwar nicht gelesen, aber demnach sollen Einzelkinder ja sogar besonders sozial sein, weil sie sonst allein im Sandkasten säßen. Ob das stimmt, will ich hier nicht beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass ich bereits jetzt gefragt werde, wann wir denn das Zweite nachlegen. Und ich denke, je älter Piepsi wird, desto häufiger werden derlei Fragen. Und wenn da kein Zweites hinterherkommt, dann - so stelle ich es mir vor - geht's erst richtig los: Woran liegt's? Klappt's nicht? Aber jetzt ist mein Töchterchen erst ein halbes Jahr alt, ich habe also noch etwas Zeit. Und bis dahin werde ich die Frage: "Wann kommt denn das Nächste?" mit einem milden Lächeln beantworten: "Mal sehen."



Kommentare

  1. Liest sich gar nicht wie eine Rechtfertigung, sondern wie eine Zusammenfassung. ;)
    Ich möchte Dinge sagen wie:"Oh ja, kenn' ich" oder "Ganz genau, stimmt" oder "Hey, Schatz, schau mal, wir sind nicht allein". Danke :)
    Grüße, Johnny

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  2. Also ich bin ein Einzelkind, ungewollt ein Einzelkind. Meine Mutter hatte eine so schlimme Schwangerschaftsvergiftung, sie sollte nach mir keine Kinder bekommen.
    Verwöhnt, unsozial etc. können auch Kinder mit Geschwistern sein! Diese Vorurteile sind echt blöd, kommt da auf die Erziehung der Eltern an.
    Und das Argument man ist schneller wieder ein Paar, sehe ich auch so, nicht zuletz, habe ich es so bei meinen Eltern erlebt! ABER ;-).... Ich vermisse Geschwister ( kommt da sicher auch auf das Kind an, den Charakter, die Erziehung ). Aber als vor 2 jähren Men Vater gestorben ist, wären Geschwister, wenn man sich gut versteht, Geschwister können auch sch....sein, schon schön gewesen. Meine Mutter ist eine starke Frau, trotzdem fehlt mein Vater, er wird es immer tun, denn er war ein großartiger Vater und ein noch tollerer Ehemann für meine Mutter. Aber für mich, auch mit Hinblick auf später, denn irgendwann ist meine Mutter auch nicht mehr so stark oder noch viiiiiieeel später auch nicht mehr da, klar ist da mein Mann, bald auch unser Kind.... ABER eben kein Bruder oder keine Schwester die die Pflege (falls nötig) oder den Schmerz bei verlusst so unmittelbar teilen.
    Blut ist sicher als Wasser, ich sehe es ja bei meiner Mutter und ihren Geschwistern!

    Ich hätte mir Geschwister gewünscht. Klar wäre finanziell nicht so viel drin gewesen! Merkst du aber als Kind nicht, wenn sonst alles stimmt, denn liebe kostet nix ;-)....

    ABER ES IST EUER LEBEN!
    Einzelkind sein ist auch schön, aber auch manchmal blöd...du musst alles alleine erkämpfen und der Fokus ist immer auf dir, dafür musst du natürlich auch nicht teilen.
    Es ist wie immer im Leben hast du das EINE, WILLST DU DAS ANDERE......

    Also wie ihr es macht, ihr macht es falsch ;-).... Bekommt ihr noch eins und einer von euch hört auf zu arbeiten ( meist ja die Frau), Heimchen am Herd, gehen weiter beide arbeiten, seid ihr Rabeneltern (die sich sehr gut im ihre Kinder kümmern by the Way), bekommt ihr noch 2, seid ihr asozial...bleibt es bei einem, seid ihr egoistisch....
    Du siehst, egal was ihr macht....ihr macht es falsch ;-)...


    Also, macht doch einfach was ihr wollt....
    Schönes Weekend, ein verwöhntes Einzelkind ;-)...

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  3. Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Und es ist euere Leben, nicht das der anderen! Wir haben auch ein Einzelkind (aus gesundheitlichen gründen),und wir finden es gut so. Mich nerven Mehrfachmütter, die einem unbedingt das zweite Kind auf's Auge drücken wollen, selber aber völlig fertig und genervt sind.

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  4. Wieviele Kinder man sich gönnt, sollte letztendlich jeder selbst entscheiden, am besten ohne Vorwürfe für seine Entscheidung zu ernten!

    Man könnte jetzt zwar argumentieren, dass 2,15 Kinder pro Frau nötig sind, um die Art zu erhalten... - nur wer sagt denn das diese überhaupt erhaltenswert ist?! Und überhaupt, da müsste man ja wohl erstmal bei den Kinderlosen ansetzten...
    Wirklich schlimm finde ich, dass es in diesem reichen Land noch immer finanzielle Gründe hat, das Paare keins oder nur ein Kind bekommen. Ein Skandal eigentlich. Aber dieses Land schafft sich halt lieber selbst ab, peppelt die Rentner und ignoriert, dass viel zu wenig Kinder geboren werden! Bitter auch, dass noch immer für viele Eltern Beruf und Familie schwer zu vereinbaren sind. Unsere Gesellschaft sollte sich was schämen!!!

    Ob jetzt allerdings eure persönlichen Gründe für nur ein Kind aufgehen?! Ich würd das eher anders herum sehen: zwei oder drei Kinder mit nicht allzuviel Altersunterschied können sich prima miteinander beschäftigen und müssen nicht ständig von Mama und/oder Papa bespaßt werden. Und letztere können dann auch mal wieder den eigenen Hobbies nachgehen... so ist zumindest unsere Hoffnung!

    Und keine Sorge das "egoisisch und verzogen" wird man eurem Kind schon in der Kinderkrippe abgewöhnen! ;-)

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  5. Oh je, und ich dachte schon, dass die ewige Fragerei "wann ist es bei euch denn endlich soweit?" das Schlimmste ist, was man einem Paar antuen kann.
    Ach, nimm es gelassen. Es ist euer Leben und ihr entscheidet ganz alleine, wie ihr es gestalten wollt. Schließlich wisst ihr selbst am Besten, was euch glücklich macht.
    Und wer weiß ... vielleicht habt ihr in ein paar Jahren ja doch das Gefühl, dass euch das zweite Kind zum perfekten Glück fehlt.

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  6. Übrigens.. wenn man dann zwei Kinder hat, fragen alle: "Und wann kommt das dritte?" Macht das so, wie es für euch gut ist!

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  7. Und nach dem dritten Kind schreien dann alle: "Nun ist es aber genug!" :)
    Ja, danke! Wir entscheiden das dann gerne selbst!

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