Wie war noch mal die Frage? Kommunikation im Babyzeitalter

Künftig werde ich, nachdem ich Besuch verabschiedet habe, wohl ein Formular aufsetzen und meinen Freunden hinterherschicken. Betreff: "Folgende Fragen blieben ungeklärt. Folgende Antworten habe ich schon wieder vergessen."
Eine besonders gute Zuhörerin war ich wohl noch nie, doch seit Piepsi hier durch das Wohnzimmer robbt, bin ich eine Katastrophe. Es liegt nicht am mangelnden Interesse an dem Leben meiner Freunde. Ich will alles wissen über den sechswöchigen Amerika-Trip, ich will von der fiesen Zahnoperation hören und von dem Umzug. Aber kaum stelle ich die Frage, quakt Piepsi oder steckt sich irgendetwas in den Mund, was da nicht hingehört, oder zieht den Teller vom Tisch. Und ich bin so abgelenkt, dass ich gar nicht mehr mitkriege, was mir gerade erzählt wird. Besonders schlimm wird es, wenn Freunde mit Kindern kommen. Da räumt die Kleene unser Bücherregal aus, die Große ist im Kinderzimmer, in dem es verdächtig still ist, und Piepsi hat plötzlich Hunger. Und zack - ich bin gestresst und zerstreut. Allerdings habe ich festgestellt, dass beim Besuch einer Profi-Mutti diese seelenruhig auf dem Sofa sitzt, Kekse mampft und Kaffee trinkt und sich so gar nicht von dem Gewusel aus der Ruhe bringen lässt, während ich von Reizen überflutet werde. Und während ich das dritte Mal zu einem "Also, wie war das jetzt mit deinen Zähnen...." ansetze, schlägt sie gelassen die Beine übereinander und meint lächelnd: "Hab ich doch gerade schon erzählt." Hm. Bei kinderlosen Freunden merke ich jedoch, dass Piepsi sie noch mehr aus der Fassung bringt als mich - und nur noch Augen und Ohren für das Baby haben und nicht für das, was ich erzähle. Meine Multi-Tasking-Fähigkeiten scheinen also zu reifen, es gibt noch Hoffnung für mein zerstreutes Mutti-Ich. Aber jetzt setze ich erst einmal mein Formular für ungeklärte Fragen auf. Also. Ähm. Wer war hier gestern nochmal zu Besuch?

Kommentare

  1. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe dann immer ein richtig schlechtes Gewissen, wenn der Besuch weg ist.

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    1. Ja, ich eben auch. Ich habe mir immer vorgenommen, auch als Mutti meine Freunde nicht zu vernachlässigen. Aber gar nicht so einfach...

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