Wie werde ich meinem Kind gerecht? Und wie allem anderen?

Ich habe das tollste Baby der Welt. Nur fällt es mir momentan schwer, das auch zu sehen und zu genießen. Ich bin eine verdammte Jammer-Mutti und will doch keine sein. Aber ich bin zwei Schritte von einem Bandscheibenvorfall entfernt und dabei so müde, dass mir schwindelig ist. Piepsi turnt momentan nachts zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens stundenlang durchs Bett, dreht sich, robbt, klopft an die Gitterstangen. Abends, beim Einschlafen, ebenfalls ein langes Hin und Her, bis sie schließlich mit einem tiefen Seufzen die Augen schlieft und friedlich mit ausgebreiteten Armen vor sich hin nuckelt. Es gibt kein schöneres Bild. Und tagsüber, da brabbelt sie, da lacht sie, da dreht sie sich und versucht, dem Ball hinterher zu rollen, da quietscht sie mit ihrer Giraffe, und ich sehe gar nicht richtig hin, weil ich diese kurze Zeit, in der sie sich selbst beschäftigt, dazu nutze, um irgendwas zu erledigen. Schnell was wegräumen, einsortieren, aufs Klo gehen, die Waschmaschine ausräumen, Emails checken, jemanden anrufen. Immer wieder der Blick auf die Uhr, wann muss ich welchen Brei machen, wann muss sie wieder schlafen, wann kommt mein Mann endlich heim, damit ich einmal durchatmen kann, und wann geht denn auch dieser Tag zu Ende, damit ich wenigstens etwas Ruhe bekomme? Manchmal sitze ich dann abends neben meiner schlafenden Tochter und sehe mir auf meinem Tablet Fotos von ihr an. Sehe, wie großartig sie ist, wie zufrieden sie aussieht, wie fröhlich. Ich google ständig nach Lösungen für Schlafprobleme, schlage Anzeichen von Zahnen nach, lese Threads in Foren nach. Nur um festzustellen, dass alles völlig normal ist, dass Babys nun einmal so sind, dass nicht sie das Problem ist, sondern ich. Ich konzentriere mich darauf, alles mitzukriegen, denn da sind so viele erste Male, dass ich keines verpassen will. Und doch denke ich manchmal, dass es Piepsi in einer Krippe besser hätte als bei mir. Eben weil dort Profis arbeiten, die der Amateur-Mutti einiges voraus haben. Sie sind nur (und dieses NUR in dicken Anführungszeichen) da, um sich um mein Baby zu kümmern. Spielen, fördern, füttern, schlafen legen. Keine Emails, keine Anrufe, kein Haushalt. Natürlich auch keine schlaflosen Nächte, diese Profis sind topfit. Piepsi läuft hier nicht nebenher, Piepsi ist der Star. Und hier bei uns zu Hause? Wer ist da der Star? 
Also... wenn ich es recht bedenke... das scheine ICH zu sein. Ich betrete den Raum, und ein kleines zahnloses Wesen grinst mich an, als hätte ich soeben Freimilch für alle geordert. Ich singe schräg und schief und ernte Applaus und Jubel. Ich beuge mich einmal über das Bettchen, und schon werden mir sehnsuchtsvolle Arme entgegengestreckt. Verdammtes Baby. Was du mir so alles gibst. Ich hoffe, ich kann dir irgendetwas davon zurückgeben. Schlafmangel hin, Schlafmangel her.

Kommentare

  1. Ach mensch, ich kann dich so gut verstehen! Dieses ständige Zerreißen zwischen dem Baby, dem Haushalt und dem Gefühl, endlich, endlich mal wieder irgendwas für sich machen zu wollen.
    Wenn ich versuche, Fotos für den Blog zu machen oder so und Lotta mal wieder die ganze Zeit an mir rumzuppelt und heult und irgendwas will, brülle ich sie auch schon mal an, weil ich so genervt bin, dass ich nichts zuende machen kann, nur um im selben Moment ein schlechtes Gewissen zu haben, weil es ja ganz klar ist, dass sie möchte, dass ich mich mit ihr beschäftige.
    Ich kann verstehen, dass du denkst, eine Krippe wäre die Lösung - aber du musst auch bedenken, dass Piepsi da gemeinsam mit 15 anderen Kindern der Star ist und damit wahrscheinlich auch nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt als von dir.
    Aber wenn du so fix und fertig bist, dann überleg ich dir eine Lösung - Lotta ist, seit sie 15 Monate alt ist, für 4 Stunden in der Krippe und das tut uns allen echt gut. Sie hat Spaß da, ich hab ein bisschen Zeit für mich und kein schlechtes Gewissen, dass mein Baby zu lange von jemand anderem betreut wird.
    Und für die Zeit zuhause hab ich festgestellt, dass es weniger nervenaufreibend ist, wenn man nicht die ganze Zeit versucht, sich zu zerreißen, sondern sich einfach mal bewusst aufs Kind konzentriert und dann, wenn sie schläft oder sich wirklich mal für eine halbe Stunde selbst beschäftigt, dann einfach mal ohne schlechtes Gewissen emails checken und schreiben, telefonieren, was auch immer.
    Das hilft mir zumindest.
    Fühl dich gedrückt und denk dran, dass du nicht alleine damit bist und es so gut wie jeder Mutter (und übrigens auch den Vätern) mal so geht. Auch, wenn man es immer nicht glauben kann, aber es entspannt sich auch wieder, wir haben gerade den schlimmsten Monat aller Zeiten hinter uns und seit ein paar Tagen pendelt sich alles wieder ein.
    Das wird!
    Ganz liebe Grüße von Johanna

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  2. Äähh... also ich weiß ja nicht, wie das bei euch in der Krippe so ist... aber üblich ist, dass auf jeden der "Profis" 5 oder 6 Kinder kommen (wenn die Krippe ganz viel Geld nimmt, dann sinds vielleicht auch nur 4 Kinder). Dein Piepsi wäre da nicht "der Star" sondern eine von vielen. Also nix gegen Krippen, bin da großer Fan von, gibt viele gute Gründe für die Krippe, aber dass ein Kind da besser und intensiver betreut wird als von Mama oder Papa in Elternzeit, ist sicher nicht der Fall!

    Ach ja, und Zähnchen wachsen ganz von selbst!
    Wirst sehen, kriegt Piepso hin, ganz allein, und ohne dass Mama im Internet liest, wie es geht!

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