Money for nothing



Angst, eines Tages unter einer Brücke vor brennenden Mülltonnen zu landen, hatte ich ja schon immer. Seit meine Tochter auf der Welt ist, hat sich diese Angst vor dem finanziellen Ruin noch verstärkt. Wenn ich mir die Stellenausschreibungen in der Zeitung ansehe, stelle ich leider fest, dass nichts von dem, was da gesucht wird, auf mich zutrifft. Und wenn ich von dem Fachkräftemangel lese, dann frage ich mich immer, wo denn dieser Mangel sein soll. Irgendwie nie da, wo ich bin.
Zugegeben: Ich leide am sogenannten Hochstapler-Syndrom. Heißt: Ich bin davon überzeugt, nichts zu können, und warte nur auf den Moment, in dem alle anderen dahinter kommen und mich Windei auffliegen lassen. In der Schule gehörte ich zu der Sorte verhasster Mitschüler, die aus einer Klassenarbeit herauskam, tönte, es völlig versemmelt zu haben, und am Ende ein "Gut" oder "Sehr gut" kassierte. Das Ding ist nur: Ich glaubte felsenfest, absoluten Mist abgeliefert zu haben. Kein Tiefstapeln, kein Licht unterm Scheffel, sondern ein ganz ehrliches Gefühl des ständigen Versagens. Und jetzt, angesichts dieser Stellenausschreibungen, in denen Fähigkeiten wie SEM oder Hands-on-Mentalität gefordert werden (musste erstmal googlen, was zur Hölle damit gemeint ist...), da fühle ich mich in meinem Urteil bestätigt. Zu meinem Mann habe ich daher gesagt, dass ich gerne irgendwas mit Büro machen würde. An einem Schreibtisch mit Computer sitzen und Kaffee trinken, dann in eine Konferenz gehen, eine Power-Point-Präsentation ansehen und Kekse essen. Ich wäre auch gerne Aufsichtsratsmitglied. Bewerbung dann etwa so: "Sehr geehrte Damen und Herren, als Aufsichtsratsmitglied eigne ich mich ganz ausgezeichnet. Die Aufsicht meiner Tochter gelingt mir stets zur vollsten Zufriedenheit, und auch sonst sorge ich immer wieder für Aufsehen." Beirat könnte ich mir auch gut vorstellen. "Gerne sitze ich in Gesprächsrunden, in denen ich stets etwas Konstruktives beizuraten habe. Nur donnerstags ist es schlecht bei mir, denn mittwochs ist Stammtisch, da schlafe ich donnerstags gerne etwas länger." Also, liebe Personaler und Headhunter aller Art! Wenn ihr das hier lest, dann fühlt euch ruhig angesprochen! Ich brauche dringend einen Job, bei dem ich ganz viel Geld verdiene. Denn als ich gesehen habe, was so ein Tornister kostet, hat mein Herzschlag spontan für mehrere Sekunden ausgesetzt. Außerdem träume ich seit meiner Kindheit davon, einen eigenen Swimming-Pool zu haben. So einen wie Dagobert Duck in Dollar-Form. Auch wenn man dann immer etwas blöde Kurven schwimmen muss.

Kommentare

  1. Hihi, ich musste gerad herzlich lachen... "Die Aufsicht meiner Tochter..." - haha. Dein Blog habe ich über schmecktwohl entdeckt und bin gleich da geblieben. Sooo lustig... und als frisch gebackene Mama werde ich hier sicher manch Bekanntem begegnen.
    Liebe Grüße,
    Daniela

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    1. Oh, das freut mich! Schön, dass es dir hier gefällt:)

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