Was mir vor der Geburt so alles vorausgesagt wurde - und wie es dann wirklich war



Als ich schwanger wurde, wusste ich nicht, dass ich damit auch das Land der Prophezeiungen betreten und mich auf einen mythischen Pfad begeben würde. Aber tatsächlich haben mir noch nie in meinem Leben so viele Menschen meine Zukunft vorausgesagt wie in dieser Zeit. Hier eine Aufzählung der Dinge, die garantiert soundso sein würden:

"Du bist ganz sicher eine Überträgerin.": Sagte eine Hebamme zu mir, während sie meinen Bauch streichelte. Tja, nix da. Piepsi hatte es eilig und kam zwei Wochen zu früh.


"Nach der Geburt wirst du deinen Bauch vermissen.": Nein, auch das nicht. Ich finde es schön, wieder meine alten Klamotten tragen zu können, ohne Probleme in die Badewanne zu kommen (und auch wieder heraus) und die Treppen in den vierten Stock ohne großes Geschnaufe hochzusteigen. Okay, ich schnaufe auch jetzt, aber das liegt daran, dass ich meistens auch Piepsi mit hochschleppe. Überhaupt die ganze Schwangerschaft: Nein, ich vermisse sie nicht. Es waren schon tolle Momente dabei: das erste Ultraschallbild, das erste zaghafte Klopfen, das erste CTG. Ich hatte eine völlig entspannte Schwangerschaft. Dennoch gab es da immer eine unterschwellige Unsicherheit und wenn nicht gerade panische Angst, dann doch Respekt vor der Geburt.

"Der Moment, in dem dir dein Kind auf den Bauch gelegt wird, wird der glücklichste in deinem Leben sein.": Sorry, auch das ist nicht so eingetroffen. Es war ein bewegender Moment, aber ich stand auch ein wenig unter Schock, als mir da so ein kleines käseverschmiertes Bündelchen in den Arm gedrückt wurde. Statt "wow, das isses, ich bin jetzt Mutti, und das Leben ist schön!", dachte ich vielmehr: "Huch, wer bist du denn, wo kommst du denn her?" Ich musste meine Tochter doch erst einmal kennenlernen. Das muss ich natürlich immer noch, jeden Tag neu. Und jeden Tag verliebe ich mich etwas mehr in sie. Aber ihre Geburt wird wohl nicht als der glücklichste Tag meines Lebens in die Geschichte meines Lebens eingehen. Aber auf jeden Fall als der aufregendste. 


"Ein Kind ändert einfach alles.": Was soll ich sagen? Ist so! Nur was das genau bedeutet, dieses "ändert alles" - das war mir vor der Geburt meiner Tochter nicht mal ansatzweise klar. Mit "alles" meinen viele zuerst einmal: Fredrik Vahle statt Franz Ferdinand, Biomilch statt Gin Tonic, Tatort statt Disco, Ferienwohnung an derOstsee statt Hotel in New York. Aber die Sache geht noch viel tiefer, berührt mich im Innersten. Und dann kommt hinter all diesen Wahrsagern und Beschwörern, den Hebammen und Profi-Muttis auf einmal der langweiligste Mensch der Welt daher, der schlimmste aller Bürokraten, die fleischgewordene Krawatte, trifft mich zufällig in der Stadt und sagt das einzig Richtige: "Wie das Leben so mit Kindern ist - das kann man keinem erklären, der keine hat. Also lass ich es." Recht hat er. Selbst ausprobieren!

Kommentare

  1. Oh wie mir das alles bekannt vorkommt! Schön zu hören, dass es anderen auch so geht. Nein, eigentlich ist es nicht schön, aber es tut trotzdem gut! ;) Hab darüber auch mal was geschrieben hehe.

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  2. Oh ja, dass kommt ihr auch bekannt vor. Und beim nächsten Kind steht man wiederda, alles ist neu, alles ist anders. Und dann bekommst gegesagt" ach kennst schon" . -_-

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