Die Muttis und der Krieg



Nachdem ich mit dem Rückbildungskurs so ziemlich das Merkwürdigste in meinem Leben gemacht habe, ist mir davon eins geblieben: die Muttis. Mit diesen Frauen, mit denen mich nicht viel mehr verbindet als die Tatsache, dass wir alle Kinder in ähnlichem Alter haben, treffe ich mich nun einmal im Monat zum Austausch über Kinderkacke und schlaflose Nächte. Und ich muss sagen: Ich bin wirklich froh darüber. Wenn mich mit diesen Frauen - zunächst - einmal nicht viel mehr als der Nachwuchs verbindet, so habe ich doch auch bisher immer wieder Menschen kennengelernt, bei denen es ebenfalls nur eine Gemeinsamkeit gab. Dieselbe Schulklasse, derselbe Studiengang, dieselbe Praktikumsstelle, derselbe Arbeitgeber. Und daraus sind die besten aller Freundschaften entstanden. So saßen wir nun bei Milchkaffee am Bällebad: die Supermarktangestellte, die Kinesiologin, die Hochschulmitarbeiterin und die eine, die ich noch gar nicht richtig kenne, als plötzlich ein Smartphone aufleuchtete: "Waffenruhe in der Ukraine!" Und plötzlich ging es nicht mehr um Abendbrei und Globuli, sondern um Krieg. Darum, dass in diesem Jahr die ganze Welt zusammenzukrachen scheint. Darum, welche Konflikte schon fast wieder vergessen scheinen.
Natürlich habe ich mir schon vor der Geburt meiner Tochter Gedanken über Weltpolitik gemacht. Aber seither ist meine Wahrnehmung eine andere, vielleicht eine schärfere, weniger auf das Politische, auf das große Ganze gerichtet. Ein Bericht eines Vaters in der ZEIT hat mich betroffen gemacht. Der Artikel beginnt mit dem Satz: "Meine Tochter ist erst sechseinhalb und hat schon drei Kriege miterlebt." Ein Vater, der mit seiner Familie in Gaza lebt, erzählt, dass sie morgens schreiend aufwacht, weil sie geträumt hat, dass sie alle gestorben seien.
Natürlich habe ich schon vor der Geburt meiner Tochter solche Artikel gelesen. Doch heute berühren sie mich tiefer, gehen direkt ins Herz, machen Angst und betroffen. Sie rücken auch einiges zurecht. Schlaflose Nächte, ausgeräumte Mülleimer, Babybrei-Spuren durch die gesamte Wohnung - all das ist doch im Vergleich zum großen Ganzen nur eins: Kinderkacke.

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