Verwahrlosung und Verblödung


In der Schwangerschaft hatte ich mir eines vorgenommen: Komme, was da wolle - ich werde auch als Mutti jeden Tag duschen. Und tatsächlich habe ich das bislang durchgehalten, sogar in den anstrengenden ersten Wochen nach der Geburt. Denn wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte: Auch wenn ich Michael Mittermeier eigentlich nur geht-so lustig finde, habe ich "Achtung Baby" gerne gelesen, und das Kapitel "Verwahrlosung" hat mich nachhaltig beeindruckt. Nein, so wollte ich nicht werden, daher trage ich nach wie vor keine Jogginghose, sondern normale Jeans und Shirts. Okay, Kotzflecken können vorkommen, aber immerhin sind das dann Kotzflecken auf schicken Shirts und eben nicht auf Schlabberlabber. Dennoch sehe ich, wie es mit mir bergab geht. Aber auch wenn ich in diesem Jahr weder beim Frisör noch im Fitnessstudio war, ist es doch mehr der geistige denn der körperliche Verfall, der mir zu schaffen macht. Ich verblöde.
Frage an die Profi-Muttis: Wie schafft ihr es, morgens in Anwesenheit von Nachwuchs noch Zeitung zu lesen? Meine ZEIT könnte ich eigentlich abbestellen, mehr als ein bis zwei Artikel pro Woche sind nicht drin. Und abends bin ich oft so geschafft, dass ich vielleicht noch im Internet Überschriften überfliege, mehr ist aber auch nicht drin. Und Bücher... also, ich habe mal wieder eines angefangen, aber obwohl es ganz großartig ist und sich unheimlich leicht liest ("Winterjournal" von Paul Auster), pack ich abends maximal fünf Seiten. Immerhin. Seltsamerweise bin ich aber immer noch in der Lage, mir zur selben Zeit alle möglichen Babyforen reinzuziehen und bei Google Fragen einzutippen, die meistens mit einem "Ist es normal, dass..." beginnen. Es sind also nicht allein Zeitmangel und Müdigkeit, die für meine Verdummung verantwortlich zu machen sind. Es ist auch meine Besessenheit vom Thema Baby. Ich habe es bereits geschrieben: Piepsi wird ein Einzelkind bleiben. Daher habe ich vielleicht das Gefühl, wirklich ALLES mitnehmen zu müssen. Babybabybaby - bis ich es nicht mehr hören kann. Da die Entwicklung jetzt, da sie steht und womöglich bald laufen wird, etwas langsamer verläuft, könnte es tatsächlich sein, dass mir die Internetdiskussionen langsam langweilig werden. Zumal ich im Umgang mit Piepsi langsam sicherer werde. Und meine Rechtschreibung unter dem Lesen im Netz leidet. Vielleicht geht es also bald wieder bergauf mit mir. Ein paar Buchtitel für die Zeit nach der Babybesessenheit habe ich mir schon einmal notiert. 

Kommentare

  1. Meine Freundinnen würden mich sicher als Profi-Mutti bezeichnen. Doch die Wahrheit ist, ich schaffe es nicht. Das mit der Zeitung am allerwenigsten. Mein schlechtes Gewissen aus Druckerschwärze flattert von Freitag bis Montag ins Haus - SZ am Freitag, Wochenendausgabe, FAS und Spiegel. Journalistenhaushalt eben. Ich beneide meinen Mann, weil er es schafft, in der Zeitung zu blättern, auch wenn unser Baby Laute des Unmuts ausstößt oder unser Vierjähriger ihm seine Playmobil-Piraten unter die Nase hält. Ich selbst nehme bestenfalls ein paar Schlagzeilen wahr, bevor ich vor dem siebten "Mama, kannst Du mir was vorlesen?" kapituliere und mich den Abenteuern des Drachen Kokosnuss zuwende...
    Die Welt interessiert mich, keine Frage. Und irgendwann werde ich auch wieder Kraft übrig haben, mich näher mit ihr zu befassen.

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    1. Oh, der Ritter Kokosnuss blüht mir auch noch....die SZ haben wir leiderleider (und zugunsten der Krautreporter) inzwischen abbestellt. Und bei der Zeit denke ich darüber nach, auf die App umzustellen. So könnte ich mir die Papierberge sparen und alte Artikel auch nach Wochen noch nachlesen. Aber noch hänge ich an diesem Papierungetüm in meinem Briefkasten...

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