Alles auf Null oder warum es gut ist, dass ich nicht in einem Atomkraftwerk arbeite

Nur noch zwei Monate, dann endet meine Elternzeit und beginnt der Alltag. Damit das alles hinhaut mit der Arbeitszeit und der Betreuungszeit, werde ich die Abteilung wechseln, künftig dauerhaft den Frühdienst übernehmen und komplett bei Null beginnen. Meine neue Chefin hat mir eine Email geschrieben: "Bitte mach dir keine Sorgen." Das ist sehr lieb. Nur leider unmöglich. Sich keine Sorgen zu machen, widerspräche nämlich komplett meinem Naturell. Eine Freundin hat mir einmal gesagt, dass ich viel zu blond für meine dunkle Seele sei. Ich solle mir doch bitte die Haare schwarz färben und nach Transylvanien auswandern. Wir sind übrigens immer noch befreundet.
Natürlich mache ich mir Sorgen! Aber weniger wegen der Arbeit an sich als wegen der Müdigkeit. Wenn Piepsis Schlafrhythmus so bleibt und ich künftig eben aufstehen muss, wann ich aufstehen muss, dann werde ich öfters mit gerade mal drei Stunden Schlaf über den Tag kommen müssen. Ich frage mich, wie das andere Mütter oder Väter machen, die so richtigrichtig wichtige Jobs haben. Ärzte zum Beispiel. Oder Busfahrer. Oder das Sicherheitspersonal in einem Atomkraftwerk. Ich würde wahrscheinlich in Homer-Simpson-Manier meine Arbeit verrichten und in dem Moment, in dem ein rotes Warnsignal aufleuchtet: "Radioaktiv verunreinigte Giftgaswolke WIRKLICH in die Atmosphäre blasen?", mit schlafwandlerischer Sicherheit auf die Taste "JA" drücken.
Das Internet war mir bei der Frage, wie ich acht Stunden Arbeit mit anschließender Piepsi-Betreuung überstehen soll, auch keine wirkliche Hilfe. Die Antwort auf die Frage "Wie Sie mit Schlafentzug fertig werden" lautet nämlich: Obst essen, frische Luft, Kaffee trinken. Ach. Und wenn gar nichts mehr geht: in der Mittagspause ein Nickerchen halten. Na prima. Ich hoffe mal, dass das im Großraumbüro nicht allzu sehr auffallen wird. Sonst gibt es nach "Betrunkene dekorieren" womöglich bald einen neuen Trend: übermüdete Eltern dekorieren.

Kommentare

  1. Mein allergrößtes Mitgefühl und die Bestätigung: Du sorgst dich zu Recht :-)

    Als eine Mutter, die mehrere Jahre jeden Morgen um 5.30h aufstand um zu arbeiten und mit durchschnittlich 4 Std Schlaf pro Nacht den Tag überstehen musste kann ich dir allerdings versichern, dass es geht. Irgendwie eben. Erstaunlich, zu welchen Leistungen der Körper in der Lage ist. Ich gebe zu, öfters am Tag mal 5 bis 15 Minuten Power-Nap gehalten zu haben und dass mein Geist wohl zeitweise meinen Körper verließ ;-). Aber irgendwie habe ich es überstanden und Jahre später (wohlgemerkt im Nachhinein) kommt einem das gar nicht mehr so wild vor.
    Ich hoffe, du hast keinen Job, in dem du Leben retten musst :-p sondern einen, in dem du dir aus Zerstreutheit auch mal Saft in den Kaffee gießen kannst und es nicht weiter auffällt, wenn du die selbe E-Mail 2 mal schreibst, weil dein Kurzzeitgedächtnis aussetzt ;-). Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kaffee, Schokolade und Durchhaltevermögen. Achja, und Schlaf natürlich auch :-)!

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    1. Nein, Leben muss ich zum Glück nicht retten;) Momentan habe ich auch nur so kleine Aussetzer. Duschgel statt Schampoo. Oder ich sage ständig dasselbe. Oder ich sage ständig dasselbe.

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  2. Oh du Ärmste. Das wäre ja mein absoluter Albtraum. Ich gehöre nämlich auch noch zu der Fraktion, die recht viel Schlaf braucht, um so richtig fit zu sein... Heißt, dass ich unter 9!!! Stunden Schlaf eigentlich immer noch etwas müde bin - oder sehr müde, je nachdem, wie weit meine Schlafdauer von den 9 Stunden entfernt ist... wenn ich also mal nur 6 Stunden durch meine Maus bekomme, bin ich schon voll fertig. Nicht auszudenken, ich wäre in deiner Lage... Also vor allem eines: Halte durch, mein Mitgefühl hast du und alle Schlafernergien, die ich habe, sende ich gerne an dein Kind (denn dann schläfst du auch besser)...

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  3. Okay, mein allerletzter Versuch! (ich vermute irgendwie mag mich blogspot nicht :-( )

    Ich musste etwas schmunzeln als ich deinen Artikel gelesen habe, denn vor ein paar Wochen, als mein Arbeitsstart immer näher rückte, habe ich dem BigBrother google eine ähnliche Frage gestellt. Ultimative Tipps habe ich übrigens nicht gefunden :-)

    Von Anfang an hatte ich nämlich so gar keine Bedenken, Papa und Baby alleine in den Alltag zu entlassen. Wie aber den Tag nach den unruhigen Nächten überstehen? Ich brauche zwar nicht soo viel Schlaf, aber so 4 h am Stück wäre schon bombig! Zum Glück laufen wir ja zur Zeit noch im 'Schongang' weil Papa kann ausnahmslos die Nachtdienste übernehmen. Das heißt hier noch mind.2 mal (meistens aber alle zwei Stunden) aufwachen, Fläschchen machen, Baby füttern. Natürlich werde ich davon auch wach (Familienbett) und nicht immer schlafe ich komatös wieder ein. Achja, das sind die guten Nächte... ja und dann um 5 Uhr raus, eine Stunde pendeln, 9 Stunden im Labor stehen und wieder zurück. Die ersten Tage bin ich um 19 h ins Bett gefallen.

    Zum Glück ist so ein menschlicher Körper ja strapazierfähiger und anpassungsfähiger als man denkt. Zum Glück, denn ich habe keine Lust mit dem Kopf in die Reagenzgläser zu fallen :-)

    Mein Tipp: morgens kalt/heiß duschen, Kaffee!!, immer ein Stückchen zu Fuß gehen und frische Luft schnuppern. Zwischendurch trinke ich selbstgemachten Eistee aus grünem Tee, frischer Ingwer, Minze und Limette! UNd wenn nichts mehr geht: Power-Nap auf der Toilette!

    Ich drück dir die Daumen.

    Lg, Miriam

    p.S.: ich habe immer noch die naive Hoffnung, dass sich das Schlafverhalten enorm verbessert ....

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    1. Das mit dem Klo-Nickerchen werde ich mir merken:) Ansonsten hoffe ich sehr, dass du nicht mit hochexplosiven Stoffen hantierst.

      PPS: Spätestens in 13 Jahren werden sie durchschlafen. Und wir morgens um 10 mit dem Staubsauger immer schön gegen ihre Zimmertür donnern!

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    2. Hah! Den Staubsauger habe ich schon mal vor der Kinderzimmertür geparkt- und die erste durchgeschlafene Nacht werde ICH beenden. Rache ist süß!

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  4. Du wirst das schon schaffen! Zwar ist es anfangs kaum vorstellbar, aber irgendwie geht es dann doch, das kann ich aus Erfahrung sagen. Und vielleicht merkt Piepsi, dass du den Schlaf brauchst, und stellt sich (wie durch ein Wunder) darauf ein. Es ist so oft mit den Kinder der Fall: viele, viele Sorgen gemacht, nachher war 95 % umsonst!!! Drück die Daumen!

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    1. Ja, ich warte hier noch auf das große Durchschlaf-Wunder:) Das wäre tatsächlich das größte Weihnachtsgeschenk, das mir Piepsi machen könnte...

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