Erziehung: Ich hab's versaut

Hab ich's versaut? Diese Sache mit der Erziehung? Kann es sein, dass meine Tochter gerade mal 12 Monate alt ist und ich bereits den Grundstein für eine Schreckensherrschaft gelegt habe? Dreiviertel des Tages ist Piepsi tatsächlich das niedlichste Baby der Welt, das schäkert, durch die Wohnung watschelt, seine Spielsachen überall verteilt und grinsend in die Hände klatscht. Aber den Rest des Tages... Gewickelt werden? Tobsuchtsanfall. Teller leer? Tobsuchtsanfall. Jacke anziehen? Tobsuchtsanfall. Nicht an der Steckdose rumfummeln dürfen? Tobsuchtsanfall. Nicht mit dem Trommelklöppel auf der Stereoanlage herumklöppeln dürfen? Ja, genau.
Kleiner Einschub: Eine meiner besten Freundinnen hat Piepsi doch tatsächlich zum Geburtstag eine Trommel geschenkt. Ich habe kurz darüber nachgedacht, die Freundschaft spontan aufzukündigen, aber meine Freundin hat sich nur totgelacht, als ich mit den Worten: "Du bist soooo gemein", das Geschenk öffnete. Aber zurück zum Thema: meine trotzige Tochter, die doch erst in einem Jahr richtig trotzen sollte? Also habe ich schnell meinen Freund Google befragt: "Ist es normal, dass....?" Die Antwort: Ja, ist es. Aber weiß Google auch, WIE KRASS diese Tobsuchtsanfälle sind? Und wenn diese jetzigen Wutanfälle normal sein sollen - wie sieht dann bitte die Trotzphase aus? Schnell mal gegoogelt. Ich habe gelesen von Kindern, die ihren Kopf aus Wut auf den Boden donnern (kenn ich schon...). Von Kindern, die ihre Eltern treten und beißen (beißen wurde beim Fingernägelschneiden bereits versucht...). Die vor lauter überbordender Gefühle in die Hose machen und sich auf jede erdenkliche Weise selbst verletzen.
Ich habe Angst.
Ich lese auch immer wieder vom "Grenzen Setzen". Versuche ich ja. Backofen, Steckdose, Stereoanlagengeklöppel - das ist natürlich alles "NEIN!". Aber dafür grinst mich die Maus nur fröhlich an und fummelt oder klöppelt weiter. Bis ich sie mir dann schnappe und sie wegsetze oder umhertrage. So dass ich mich inzwischen frage, ob ich sie vielleicht dazu erzogen habe, an den Backofen zu packen, wenn sie auf den Arm will. Dabei nehme ich sie doch eh schon ständig auf den Arm... Wie gesagt: Ich hab's wohl versaut.
Zugleich lese ich, dass das alles sogar so sein muss, dass diese Gefühle raus müssen, und dass alles besser wird, wenn die Kinder sich erst einmal verbal ausdrücken können. Hm. Das muss ich dann wohl aussitzen. Oder meine Tochter dazu animieren, doch ganz schnell sprechen zu lernen. Piepsi, sag doch mal: "Mama, Papa, Ball..."

Kommentare

  1. hahaha... ich erkenne mich bei meinem ersten Kind vor 12 Jahren wieder ! Und jetzt, seit Kind 2 vor vier Jahren dazu kam, bin ich soo locker und bleib einfach mal ruhig, weil ich weiß, wie "der Hase läuft"..
    Mach dich nicht verrückt - es geht alles seinen Weg.
    Setze Grenzen und sei dann auch bereit, die Konsequenzen durchzusetzen, dann wird das schon..
    Schöner Text, hab gelacht !
    Liebste Grüße und Ohmmmmmmm - Linda

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  2. Mach dich nicht selbst verrückt, du hast halb ein aufgewecktest Kind was gerne ausprobiert und immer wieder gerne seinegrenzen auausprobiert. Bleib einfach Konsequenz und dann wird das schon. ;-)

    Überings hatten meine beiden Kinder keine trotzpfansen oder âhnliches, dafür habe ich jetzt eine 8jährige mega zicke zuhause und mal gucken was aus dem kleinen wird.

    LG Nicky

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  3. Herrlich!

    Wir hatten das auch schon vor einem halben Jahr. Nicht doppelt, sondern verteilt auf zwei.

    Zwilling 1 rastete bei allem, was er nicht darf oder kann völlig aus. Für ihn bricht emotional alles zusammen. Weint untröstlich eine halbe Stunde lang. Haut und beißt.

    Zwilling 2 wird eher zickig, wütend. Sie stampft mit den Füßen und schimpft schrill. Windet sich aus jedem Griff.

    Aber es hat sich nicht gesteigert. Bald sind sie eineinhalb Jahre alt und die Wutanfälle sind seltener und weniger heftig geworden. Trotzdem muss ich ständig bei den gleichen Dingen Nein sagen. ;-)

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  4. Oh, wie schön. Noch eine Leidensgenossin. Meine Tochter ist gerade eins geworden und rastet seit kurzem auch jedes Mal völlig aus, wenn sie nicht ihren Willen kriegt. Und genauso wie Du habe ich Angst, wo das noch enden soll. Schätze, da müssen wir durch. Zur Not eben mit dem Kopf durch die Wand;)

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