Die lustige Taschenlampe oder: Das Spielzeug, das aus der Hölle kam

In Piepsis Krippe ist in dieser Woche "spielzeugfreie Woche" angesagt. Ich schätze, meine Tochter wird den Unterschied kaum merken. Denn auch bei uns zu Hause spielt sie am liebsten mit Wäscheklammern oder meiner Haarbürste und interessiert sich reichlich wenig für ihre Spielsachen, von denen sie auch nicht übermäßig viele hat. Bislang habe ich mir darüber auch wenig Gedanken gemacht. Bis wir einmal den Nachbarsjungen besucht haben. Bei dem blinkt und trötet es nämlich an allen Ecken und Enden. Er besitzt einen Plastikkäfer, der zwei Sprachen spricht, zig Lieder singt und dazu auffordert, irgendein Dreieck zu suchen. Dazu hat der Nachbarsjunge auch noch ein privates Bällebad und eine knapp zwei Meter hohe Rutsche im Wohnzimmer. Piepsi sind fast die Augen übergegangen. Ich hatte ein etwas schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, dass mein Töchterchen sich einen Stock drüber nachmittags mit dem Sortieren meiner Zeitung beschäftigt, während hier ein umfangreiches Entertainmentprogramm aufgefahren wird. Also ab in den Spielzeugladen. Etwas aus Plastik sollte es sein, weil Piepsi so etwas nicht wirklich hat. Etwas mit Musik und Gelaber, aber nicht so schlimm, dass ich schon kurz nach dem Einschalten einen epileptischen Anfall wegen all der Reizüberflutung bekomme. Ich habe mich schließlich für die "lustige Taschenlampe" entschieden. Die "lustige Taschenlampe" ist nicht so groß wie der beschriebene Laberkäfer und immerhin noch eine Taschenlampe, was doch irgendwie sinnvoll ist. Außerdem stand auf der Verpackung "von Pädagogen entwickelt."
Keine Ahnung, welche Drogen diese Pädagogen genommen haben. Kaum hatte ich die Taschenlampe daheim eingeschaltet, legte das Ding los: "Zwei, drei, Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorraaad, gelbes Licht, drei, Ich bin ein Marienkäfer..." Es war so ziemlich egal, ob Piepsi auf die Taste mit der Zahl "drei" drückte oder nicht - das Ding tat, was es wollte, blinkte dazu noch in verschiedenen Farben, dass man damit eine zünftige Babydisco hätte beleuchten können, und hörte auch nicht auf, vor sich hinzuquaken, als Piepsi das Ding längst in die Ecke gedonnert hatte. Einen Moment lang war Ruhe, dann drehte die Taschenlampe noch einmal auf: "Die Affen rasen durch den Wald... wer hat die Kokosnuss geklaut?" Und immer wieder: "Gelbes Licht. Zwei. Drei. Ich bin ein Marienkäfer." Da Piepsi die Taschenlampe ähnlich geheuer war wie Chucky, die Mörderpuppe, legte ich das Spielzeug, das aus der Hölle kam, schließlich zu dem Wickeltisch. Rubrik: Ablenkung für schwere Wickeleingriffe.
Diese Woche habe ich dann im Zeit Magazin gelesen, dass auch Harald Martenstein seine Erfahrungen mit einem Produkt der Firma v-tech gemacht hat. Er hat sich allerdings den "Pinguin" besorgt, dessen Laber-Repertoire so groß ist, dass er (Zitat Martenstein) "ohne Weiteres bei Maybritt Illner in der Talkshow sitzen könnte." Ich glaube, auch Herr Martenstein kann sich für eine spielzeugfreie Woche erwärmen. Ich bin ein Marienkäfer. 

Kommentare

  1. Wundervoll, ich musste herzlich lachen!
    Bei meiner Tochter hatte ich auch wenig Spielzeug & habe immer darauf geachtet das es pädagogisch sinnvoll ist. Aber dank Tante, Opa und co gab es auch blink blink und nerv spielzeug.
    Bei unseren sohn sieht es wiederum aus wie im spielzeug paradies, was aber daran liegt das unsere tochter alle ihre geliebten sachen für die sie zu alt ist oder was eigentlich eher was für jungs ist (dino, auto u.ä.) ihn geschenkt hat.
    Damit das ganze jedoch bei beiden kindern nicht überhand nimmt & die zimmer nicht irgendwann platzen vom spielzeug, wird immer zu geb. & feiertage schön sotiert was weg kann & gespendet was noch gut erhalten ist.
    Überings hat v-tech auch weniger nervige dinge, wie z.b. den Kugelbaum. Den liebt unser Sohn heute noch & macht ohne ton genauso viel spaß! ;-)

    Lg Nicky

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  2. Oha, das klingt ja fürchterlich...seit wir zum 1. Geburtstag unseres Sohnes ein "Tierstimmen-Klavier" (war sicher gut gemeint) geschenkt bekommen haben, weiß ich, dass nur noch Spielzeuge ins Haus kommen, deren Geräusch und Optik ich auch selbst ertragen kann ;)

    Viele liebe Grüße

    Küstenmami

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  3. Das Gerät kommt wirklich aus der Hölle!
    Wir haben es bis jetzt zum Glück noch nicht selbst im Haus, aber ich kenn es vom Sohn einer Bekannten.
    Ich find solches Spielzeug auch eher furchtbar! *grusel*
    Für unseren Motschi hab ich mal die VTech Bussi-Muh gekauft...die quatscht nicht ganz viel, aber hat dafür echtes Ohrwurmpotential. XD

    Liebe Grüße
    Lisa von gothmami.blogspot.de

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  4. Du beschreibst meinen Albtraum! Ich habe schon sämtlichen Freunden und Familienmitgliedern gedroht, ja nichts blinkendes und lautes hier zu Mottes erstem Geburtstag anzuschleppen.
    Ich bin gespannt, wer sich nicht daran hält ... 😩 Sind es Freunde/Verwandte mit Kindern, gibt es auf jeden Fall ein Rache-Geschenk. Die Taschenlampe kommt da in meine engere Auswahl! 😉
    Liebe Grüße,
    Carina

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  5. Wir haben mittlerweile schon eine kleine Sammlung an diesen "wunderbaren" Krachmachern. Unsere Große hat das Ganze dann durch ihre Furreal Katze gekrönt. Immer wenn das Ding "miaut", denke ich, sie hätte sich verletzt und weint und will gleich zu ihr rennen... LG, Viola

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  6. Eine Freundin von mir hat Piepsi eine Trommel geschenkt. Auch gemein. Aber alles Schnickschnack im Vergleich zur Taschenlampe.

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