Es gibt kein Christkind - und Nagellack gibt es auch nicht

Wie ich bereits erwähnte, bin ich ein schlechter Umgang für Kinder. Das bekommen jetzt auch meine nachwuchshabenden Freunde zu spüren. Denn ich verziehe nicht nur mein Kind, sondern deren Kinder gleich mit. Ein Besuch von mir und das zarte Pflänzchen "Erziehung" wird radikal plattgetreten. Beispiel Weihnachten: Kurz nach den Feiertagen besuchten wir Freunde; die Geschenke der beiden Töchter lagen hübsch aufgereiht unter dem Tannenbaum. Und ich so zur Vierjährigen: "Na, was haben dir denn Mama und Papa zu Weihnachten geschenkt?" Und meine Freundin so: "Das Christkind hat zu Weihnachten einen Kaufmannsladen gebracht. Das CHRISTKIND!" Hoppla. Gleiche Familie, zu Mittag: Es wird aufgetischt, ich sage so etwas wie "Nen Guten allerseits" und haue rein. Meine Freundin räuspert sich: "Vor dem Essen beten wir." Huch! Ich lege beschämt die Gabel zurück. Okay, das Gebet fiel dann so aus: "Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb." Damit kann auch ich Nicht-Kirchlerin leben. Überhaupt diese ganzen Tisch-Situationen. Meine Tochter ist mitten in der Entdeckerphase, da wird das Abendbrot auch schon mal atomisiert und auf den Boden gebröselt. Ja, das nervt mich schon. Aber schlussendlich lasse ich sie doch machen. Vielleicht, weil ich keinen 13-Jährigen kenne, der sein Brot unter den Tisch wirft und ich die Hoffnung habe, dass sich dieses Problem von alleine lösen wird. Nach dem Spruch eines Freundes: "Das hat bei uns immer mächtig Ärger gegeben", habe ich mich allerdings schon gefragt, ob das nicht auch bei uns Ärger geben sollte. Bin ich etwa zu luschi in meiner Erziehung? Zu erziehungsfaul? Oder werden meine Freunde eines Tages brutal zurückschlagen? Piepsi ist gerade mal 14 Monate alt. Die Dreijährige einer Freundin durfte sich spaßeshalber schon einmal Nagellack aufpinseln. Tussi-Kram! Das könnte MEIN wunder Punkt werden. Und der Tag wird kommen, an dem Piepsi mir ein großes vorwurfsvolles: "Aber dieunddieunddie dürfen das doch auch!", entgegenschleudern wird. Und dann stehe ich da. In größten Erziehungsnöten.

Kommentare

  1. Schön geschrieben, da dürften meine Kinder sofort zu Besuch kommen;) Viele Grüße

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  2. Herrlich geschrieben und einfach erfrischend!
    LG, Manati

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