Nie wieder..

An diesem Sonntag wollte ich sterben. Ich wollte schon manches Mal in meinem Leben sterben. Allerdings war ich da Studentin, kinderlos - und habe Alkohol deutlich besser vertragen. Insofern beruhigte es mich sehr, dass mich gegen Mittag eine Whats-app-Nachricht einer kinderlosen Freundin erreichte: "Ich liege im Bett und kann mich nicht mehr bewegen." Die Sache mit dem Weggehen als Mutti ist ja so: Der Abend ist gar nicht so das Problem. Sondern der Morgen danach.
Ich erwarte kein Mitleid, mein Schicksal ist selbst erwählt.
Ich WUSSTE, dass ich Sonntagvormittag alleine mit Piepsi sein würde, da mein Mann arbeiten musste. Ich WUSSTE, dass sie natürlich zu einer komplett unmenschlichen Zeit aufstehen würde und natürlich WUSSTE ich, dass sie niemals auf eine "kranke" Mutti Rücksicht nehmen würde. Und schließlich soll meine kleine Tochter auch nicht darunter leiden, dass Mutti es total übertrieben hat und ihre Grenzen nicht kennt.
Als ich die zweite Whats-App-Nachricht mit dem Inhalt "An Aufstehen ist nicht zu denken" erhielt, hatte ich schon folgende Dinge getan:
- 1 Spaziergang mit Piepsi
- 4 frische Brötchen gekauft, während Piepsi ein Mini-Laugenbrötchen abgestaubt hat
- eine Ladung Schmutzwäsche angeschmissen
- eine Ladung Geschirr aus der Spülmaschine geräumt
- 17 Mal Aramsamsam gesungen
- 34 Mal Schaf und Bär zugedeckt
- 3 Kackwindeln entsorgt
- 2 Portionen Vollkornnudeln mit Zucchini gekocht
- 1 Hochstuhl von Resten von Vollkornnudeln mit Zucchini befreit
Äußerlich war ich eine prima Mutti. Innerlich ein Komposthaufen. Nach einem gemeinsamen Mittagsschlaf wurde es besser. Nachmittags war ich sogar in der Lage, mich mit Freunden im Garten zu treffen, Kuchen zu essen, meine tränenden Augen hinter dunklen Sonnenbrillengläsern zu verstecken und unseren Kindern beim Spielen zuzusehen. Dennoch war ich froh, dass auch dieser Tag vorüberging. Rock'n'Roll war definitiv gestern. Ich bin nicht nur Amateurmutti, sondern auch Amateurfeiertante. Wird Zeit, dass Piepsi ins Alter kommt, in dem sie mir Frühstück ans Bett bringen kann. Frühstück und eine Aspirin.

Kommentare

  1. Hihi, sooo wahr ;-) Und ich finde es schön und beruhigend, wenn auch andere Mamas hun und wieder mal über die Stränge schlagen- aber auch sehr faszinierend, was man trotz "Krankheit" alles leisten kann, wenn es sein muss.
    LG, Manati

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