Wie machen die das bloß?

Im ersten Jahr mit Baby habe ich viele dumme Sätze gesagt. Einer der dümmsten war wahrscheinlich: "Ich glaube, sie zahnt." Ich meine, dass ich ihn zum ersten Mal geäußert habe, als Piepsi gerade mal drei Monate alt war. Der erste Zahn ließ sich allerdings erst nach sieben Monaten blicken. Wann immer meine kleine Tochter unleidlich war, zahnte sie oder steckte in einem Entwicklungsschub. So kam ich durchs erste Jahr.
Ein anderer Satz, den ich ziemlich oft gesagt habe - den sage ich auch heute noch. Und das voller Überzeugung: "Wie machen die das bloß?" Gemeint sind alleinerziehende Väter oder Mütter. Ernsthaft. Ich könnte mir es nicht vorstellen, dieses Familiending alleine durchzuziehen. Ich weiß: Manchmal hat man gar keine andere Wahl. Manchmal sind Trennungen unausweichlich, manchmal stirbt ein Partner. Und plötzlich ist man alleine. Mit Kind. Oder sogar mit Kindern. Ja, da wäre natürlich auch der finanzielle Aspekt, der mir Sorgen bereiten würde. Aber der ist so abstrakt, dass ich ihn mir derzeit gar nicht vorstellen könnte. Aber die Organisation des gesamten Lebens, wenn man auf einmal alleine dasteht, stellt mich vor die verdammte Frage: "Wie machen die das bloß?" Wir sind zu zweit manchmal schon am Limit. Früher hatte ich alle meine Termine im Kopf. Heute brauche ich einen Kalender. Da ich sehr früh arbeite, ist mein Mann morgens allein mit Kind - und das ist schon eine gewisse Leistung, ein anderthalbjähriges, äußerst aufgewecktes Mädchen zu waschen und anzuziehen, selbst noch irgendwie zu duschen, ohne dass die Kleine die Wohnung auseinandernimmt und sich selbst verstümmelt. Wenn er dann noch versucht, den Frühstückstisch abzuräumen und abzuspülen, ehe es mit der Kleinen in die Krippe und anschließend zur Arbeit geht, hat er oft ein nörgelndes Kind am Bein hängen, das um etwas Aufmerksamkeit bettelt - und oft genug auch bekommt. Nachmittags bin dann ich allein mit Kind, bis mein Mann abends von der Arbeit kommt. Ich versuche, was eben möglich ist. Aber irgendjemand hat mal bei Twitter geschrieben: "In Anwesenheit eines Kindes die Wohnung zu putzen, ist etwa so effektiv wie Zähne putzen und gleichzeitig Nutella-Brot essen." Einkäufe und Getränkekisten in den vierten Stock schleppen, dazu noch ein 12-Kilo-Bröckchen beaufsichtigen, das die Treppen noch nicht ganz sicher hochsteigen kann? Geht nicht. Muss der Partner machen, während der andere auf das Kind aufpasst. Überhaupt läuft es bei uns doch meistens so: Einer kümmert sich ums Kind, der andere kriegt irgendwas erledigt. Steuererklärung, Müll rausbringen, endlich mal das Frühstücksgeschirr spülen.
Sicher: Piepsi wird älter werden, Verständnis dafür entwickeln, dass wir eben mal fünf Minuten etwas wirklich Wichtiges regeln müssen, sie wird mehr und mehr lernen, sich selbst zu beschäftigen und auch mal zehn Minuten alleine in der Wohnung sein, während einer von uns im Keller die Wäsche aufhängt. Und Alleinerziehende?  Was machen die, wenn sie keine Verwandten in der Nähe haben, wenn ihre Freunde voll berufstätig sind und ihnen daher tagsüber auch nicht zu Seite stehen können? "Wie machen die das bloß?" Sie machen es. Und sicher nicht besser oder schlechter als wir. Aber doch sehr viel komplizierter, aufwendiger und kräfteraubender. Alle Achtung.

Kommentare

  1. Eins steht fest: die meisten Alleinerziehenden machen es zum Glück ohne viel zu jammern!
    Da könnten sich andere manchmal ein Beispiel dran nehmen...
    Mir gegenüber hat sich mal eine Bekannte beklagt, sie käme sich wie eine Alleinerziehende vor und das wäre alles so schwierig... nur weil ihr Mann ein paar mehrtägige Dienstreisen hatte. Ich hab sie dann ziemlich zusammengestaucht, sie solle sich mal überlegen, was eine Alleinerziehende leistet! Die gute Frau musste nämlich nicht arbeiten (ihr Mann hat ja viel Geld verdient) und ihr kleins Kind ging auch noch 3 Tage die Woche halbtags in eine Kita.

    Respekt vor Leuten die wirklich alleinerziehend sind!
    Und Respekt vor denen die sich nicht Kinder zulegen, um sich dann zu beklagen!

    Gruß,
    A.

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