Das Hausbau-Ding

Eine Bekannte von mir hat einmal gesagt: "Früher wohnten alle meine Freunde in der Innenstadt. Jetzt haben sie Kinder."
Tatsächlich habe ich, als ich noch kinderlos war, nicht verstanden, was alle mit diesem Haus-Ding haben. Mit dieser unbedingten Lust auf Eigenheim oder so, auf jeden Fall aber auf Garten. Und noch heute träume ich davon: Von der Altbauwohnung über einem Café in einer schnuckeligen Kopfsteinpflaster-Straße. Von einer Wohnung mit knarzenden Holzdielen, Stuck an der Decke und einer charmant schrammeligen Küche. Aber inzwischen habe ich ein Kind, und tatsächlich habe ich kaum Eltern in meinem Umfeld, die nicht regelmäßig die Immobilienanzeigen studieren. Und natürlich sind auch das alles coole Leute, die gute Musik hören und von Altbau träumen. Und es gibt sie ja auch, diese verschrobenen alten Häuser im Stil einer Villa Kunterbunt. Mit Gemüsegarten hinterm Haus und einer knarzenden Holztreppe. Aber in der Stadt ist so etwas unvorstellbar teuer, daher überlegen diese coolen Leute nun, selbst zu bauen (Folge: Neubaugebiet, ganz schön unaltbauig) oder etwas zu kaufen, was nicht in der Stadt, sondern im "Speckgürtel" liegt. Sie nehmen in Kauf, in einen dieser Orte mit unaussprechlichen Namen, aber guten Schulen zu ziehen. Spießig und absurd? Nicht ganz. Seit Piepsi versteh ich dieses Hausbau-Ding besser.

Gründe für ein Haus:
- Kinder machen Dinge kaputt und sind laut. Ich kenne eine Hand voll Beispiele von Leuten, die nett gewohnt haben und schließlich Kinder bekamen - und fortan nur noch Ärger mit den Nachbarn hatten. Ich habe da Glück. Meine Nachbarn sind großartig.
- Platzmangel: Es ist verdammt schwer, eine Wohnung jenseits der magischen Dreizimmer-Wohnungsgrenze zu finden. Eigentlich wollten auch mein Mann und ich einst in eine Vierzimmer-Wohnung ziehen. Früher, in der guten alten "Nur-wir-Zeit", hatte ich nämlich noch ein eigenes Zimmer mit eigenem Bett, eigenem Fernseher - so ein bisschen wie in einer WG. Fanden andere Paare befremdlich, wir fanden es großartig. Aber seit Piepsi da ist, gibt es ja eh kein Entrinnen und keinen Rückzug mehr... Ein Haus bietet endlich etwas mehr Platz. Und vielleicht auch ein Mutti-Zimmer.
- Der Garten: Ja, es gibt auch Wohnungen mit Garten oder zumindest Gartenmitbenutzung. Aber die sind schwer zu bekommen. Und diese Gartensache habe ich ja komplett unterschätzt. Wir wohnen derzeit sehr grün: Der Wald beginnt direkt vor unserer Haustür. Und Piepsi ist so ein richtiges Draußen-Kind, was ich wunderbar finde. Dennoch nervt es manchmal, wenn man für ein bisschen frische Luft sich selbst und das Kind erst einmal komplett anziehen und dann die vier Stockwerke runterstiefeln muss. Dann durch den Wald: "Oh, ein Stein. Wie toll. Ein Stock? Irre spannend! Oh, äh, nee, das ist ekelig, äh, keine Ahnung, was das ist, aber bitte lass es liegen und bring es nicht mit in die Wohnung." Bei einem eigenen Garten wäre das so: Tür auf, Piepsi raus. Mutti bleibt mit Milchkaffee auf der Terrasse sitzen, liest etwas Zeitung und greift im Notfall ins Geschehen ein. So zumindest meine Vorstellung. Und: Man kann im Sommer auch abends einfach noch mal schnell in den Garten, ohne dass es ein Riesenaufwand ist.

Aber erwähnte ich schon, wie unvorstellbar teuer dieses ganze Hausding ist? Und dass es sicher nett sein kann, aber dass es auch ohne geht? Tatsächlich sind zwei meiner besten Freundinnen in Wohnungen groß geworden! In der Innenstadt! Ohne Garten! Bämm! Sie hatten nicht einmal einen urbanen Schrebergarten mit Bio-Zucchini. Stattdessen den Spielplatz der zentralen Grundschule. Also: Es geht auch ohne.
Und wir, was machen wir? Wir haben Glück. Nein, es ist keine Villa Kunterbunt mit knarzender Holztreppe, wildromantischem Garten und klingelndem Windspiel auf der Veranda. Es ist ein Haus in einem Wohngebiet am Stadtrand (aber zumindest nicht im Speckgürtel). Ein Haus, das wir uns niemals leisten könnten. Aber das wir erben und bald umbauen werden. Ein kleiner Schritt für unsere gute Freundin und Architektin. Ein gewaltiger für uns. Ich werde berichten.

Kommentare

  1. Oh, das kenne ich nur zu gut... also beides - der heimliche Traum von der Altbauwohnung und den vom Haus. Wir haben dieses Eigenheim-Ding auch erst seit unsere Kleine auf der Welt ist. Vielleicht entwickeln Eltern ja Haus-Hormone. ;)

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