Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Willkommen in der Trotzphase

Meine kleine Tochter ist gerade in der Dr.Jekyll-und-Mr.Hyde-Phase.
In ihren guten Momenten ist sie so: bezaubernd niedlich und sehr fürsorglich. Wenn sie etwas zu essen hat, ist ihr sehr wichtig, dass alle anderen auch etwas zu essen bekommen. Und wenn wir unsere Portion aufgegessen haben, dann fragt sie: "Mehr?" Hier soll ja schließlich niemand hungrig den Tisch verlassen. Kleine Babys liebt sie, will sie immer streicheln, sie zudecken und ihre Händchen halten. Wenn man sich irgendwo gestoßen hat, dann fragt sie: "Aua gemacht?", pustet dann auf die Stelle und fragt: "Besser?" Wenn irgendwo ein Kind weint, sagt sie: "Baby weint!" und: "Arm!" - was bedeutet, dass man das Kind auf den Arm nehmen und trösten soll.

In der Mr. Hyde-Phase ist Piepsi so: unausstehlich. Das Schlimmste ist ihre Schaukel-Obsession. Sie liiiiiebt es zu schaukeln. Aber wehe, es nähert sich ein anderes Kind der S. Und selbst wenn Piepsi auf dem Spielplatz oder in der Krippe gerade einmal nicht selbst auf der Schaukel ist, brüllt sie erst einmal laut: "MEINS!", wenn es ein anderes Kind wagt, auch einmal zu schaukeln. Seit Piepsi immer häufiger aufs Töpfchen will, sieht sie es auch nicht mehr ein, anschließend eine Windel anzuziehen. Auch Hosen werden völlig überbewertet. Ach ja, Schuhe sind auch doof. Mein persönlicher Tiefpunkt in dieser Woche: Ich versuchte, mein Kind von der Krippe abzuholen. Dort spielte sie gerade friedlich mit ihrer Freundin, gemeinsam schoben sie eine Puppe durch den Flur und deckten ihr Baby brav zu. Definitiv Dr. Jekyll. Aber dann kam ich. Ich sah dem Treiben kurz zu, versucht meiner kleinen Tochter zu verklickern, dass wir jetzt nach Hause müssen, und als sie daraufhin erst einmal lachend ins hinterste Eckchen der Krippe rannte, nahm ich sie schließlich auf den Arm, mit der Folge: Tobsuchtsanfall. Einer dieser extrem krassen, der anderen Kindern, Erziehern und auch mir echt Furcht einflößen kann. Wie kann ein so kleines, süßes Wesen nur so laut brüllen, zetern und toben?? Dabei noch blind um sich schlagen. Das ganze Leid dieser Welt, die geballte Ungerechtigkeit meines Treibens bekam ich zu spüren.

Ich WEISS ja, dass Besitzdenken und Wutanfälle normal sind für ein 20 Monate altes Kind. Und meistens kann ich da auch drüberstehen, auch wenn ich immer wieder von Eltern den Satz höre: "Unsere/Unserer trotzt eigentlich gar nicht." Aber an dem Tag konnte ich es nicht. Ratgeber sagen: "Die Autonomiephase ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes, Eltern dürfen Wutanfälle nicht persönlich nehmen." Aber ich bin ja nicht nur Mutter, sondern irgendwie auch Mensch. Und da habe ich diesen Wutanfall persönlich genommen. Es war mir peinlich. Ich war traurig. Ich habe an meiner Erziehung gezweifelt und mich gefragt, ob mein Kind irgendwie abnorm ist. Und ich habe zu meinem Mann gesagt, dass ich mich nach der Nummer gar nicht mehr in die Krippe traue. Aber natürlich muss ich da wieder hin. Und Piepsi muss lernen, Spielzeug zu teilen und manche Regeln zu befolgen. So leid es mir tut.
Heute früh bin ich dann übrigens neben Dr. Jekyll aufgewacht. "Kuckuck, Mama!" und Gekicher. Ach, Piepsi. Die Trotzphase - die packen wir auch noch!

Kommentare

  1. Ihr macht das schon, da bin ich sicher. Mit genauso viel Humor und Charme, wie ihr auch alles andere schon durchgestanden habt. :)

    AntwortenLöschen
  2. Woher kenne ich das bloß?
    Leider soll diese Phase ja sehr lange anhalten.
    Und leider kommen diese extremen Wutanfälle immer dann, wenn man es gerade eilig hat.
    ; )

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ich habe fertig

Welche Fee hätten'S denn gerne?